Episode zu Zehent

Eine Epi­so­de, wel­che oft­mals abge­schrie­ben und kopiert wur­de, wol­len wir hier wie­der­ge­ben. Hier geht es nicht um Pfarr­ge­schich­te oder Höfe­ge­schich­te, son­dern um den Zehent.
Staff­ler schreibt (Band 1, Heft 2, Sei­te 595, aus dem Jah­re 1842) „über die Ursa­che­der Aus­schei­dung des Asch­ba­cher Hofes aus sei­nem Seel­sorg-Spren­gel von Vol­ders und des­sen Zutei­lung zur Pfar­re Mils gibt uns eine von der  Tra­di­ti­on auf­be­wahr­te Anek­do­te Auf­schluß’.

Hier eine Kopie aus: „Sagen, Mär­chen und Gebräu­che aus Tirol von Ignaz Vin­cenz Zin­ger­le, 1859.

711. Wie der Aschbacher Hof zur Pfarre Mils kam

Zu jener Zeit, als der Bezirk der gegen­wär­ti­gen Cura­tie Vol­ders noch unmit­tel­bar unter der Seel­sor­ge der Pfar­re Kol­sass stand, also vor dem Ende des sechs­zehn­ten Jahr­hun­der­tes, geschah es, dass der Bau­er zu Asch­bach im Vol­ders­wal­de an der Pest krank dar­nie­der lag. Es ward der Pfar­rer von Kol­sass geru­fen, damit er dem Kran­ken die Ster­be­sa­kra­men­te rei­che. Der Pfar­rer kam, blieb aber aus Furcht vor der Anste­ckung in beträcht­li­cher Ent­fer­nung vom Kran­ken. Die­sen zur Erwe­ckung der Reue über sei­ne Sün­den ermah­nend, zeigt er ihm die hei­li­ge Hos­tie mit der Leh­re, sie nur anzu­se­hen, und dabei eine gute Mei­nung zu machen, indem es dann so viel sei, als hät­te er sie wirk­lich emp­fan­gen. Nach die­ser Funk­ti­on eil­te der Pfar­rer nach Kol­sass zurück. Doch der Lei­den­de, damit nicht zufrie­den, liess den Pfar­rer von Mils zu sich bit­ten. Die­ser karr, bereit­wil­lig, und ver­sah den­sel­ben nach abge­nom­me­ner Beicht ord­nungs­mä­ßig mit den hei­li­gen Sakra­men­ten. Gegen Erwar­tung genas der Bau­er. Als die Zeit gekom­men war, zu der man die Zehend­ge­bühr dem Pfar­rer rei­chen muss­te, fuhr der fleis­si­ge Asch­ba­cher mit dem korn­be­la­de­nen Wagen nach dem Pfarr­ho­fe von Kol­sass, und mel­de­te dem Pfar­rer, der eben das Fens­ter geöff­net hat­te, sein Dasein mit den Wor­ten, er möge nun den Zehend anse­hen und dabei eine gute Mei­nung machen; dann sei es so viel, als hät­te er ihn wirk­lich emp­fan­gen. Nach die­ser Anre­de wen­de­te der Bau­er den Wagen, und fuhr stracks den Weg nach Mils, wo er das Getrei­de im Pfarr­wi­dum ableg­te. Von jener Zeit an blieb auch der Pfar­rer von Mils der ordent­li­che Seel­sor­ger des Hofes von Asch­bach.“ (Staf­fier 1, S. 595.).

War­um der gro­ße, all­seits aner­kann­te Johann Jakob Staf­fier schreibt „Als die Zeit gekom­men war, zu der man die Zehend­ge­bühr dem Pfar­rer rei­chen muß­te, fuhr der Asch­ba­cher… nach Kol­saß“ – ist unver­ständ­lich.
Mög­lich, daß es Ende des 16. Jahr­hun­derts so war, jeden­falls konn­te bis jetzt kein ein­zi­ger der­ar­ti­ger Fall nach­ge­wie­sen wer­den. Der Zehent war kei­ne BRINGSCHULD, wie etwa Steu­er oder Grund­zins. Hin­ge­gen lesen wir wie­der­holt, daß dem Pfar­rer (oder ande­ren) der Zehent (die l0. oder 30. Gabe) lie­gen­ge­las­sen wer­den muß­te. Es war Auf­ga­be des Zeh­ent­ein­trei­bers, die­se vom Boden des Bau­ern zu holen und ein­zu­brin­gen, wofür er auch eine Ent­loh­nung erhielt.

Quel­le: Kun­ter­bun­tes aus Mils, Nr. 16

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