Die Weißenbachbrücke

Brü­cken über den Wei­ßen­bach, d.h. Brü­cken, die Hall und Mils ver­bin­den, gab und gibt es meh­re­re. Die wich­tigs­te – heu­te fast nicht mehr als sol­che erkenn­bar – ist sicher die als Bun­des­stra­ße aus­ge­bau­te.

Die zwei­te, wei­ter nörd­lich, beim Zen­trum für Hör- und Sprach­päd­ago­gik (vor­mals Taub­stum­men­in­sti­tut), ist aber wahr­schein­lich die ältes­te aller Verbindun­gen. Bereits in den ältes­ten Kar­ten ein­ge­zeich­net wird sie in Mils als „Wei­ßen­bach­brü­cke“ oder „Krie­ger­brü­cke“ bezeich­net.

Weißenbachbrücke
Aus­schnitt einer alten Ansicht von Hall (um 1580), mit Häu­sern von Mils und den (damals spit­zen) Kirch­turm. Die Brü­cke wird als „Mil­ser Steg“ bezeich­net.

Immer wie­der wur­de die­se Brü­cke vom damals noch wil­den Bach weg­ge­schwemmt und muss­te wie­der neu errich­tet wer­den. Berich­te über eini­ge die­ser Neu­bau­ten sind uns er­halten geblie­ben, und geben uns einen Ein­blick in die dama­li­gen Ver­hält­nis­se.

Bote für Tirol und Vorarlberg vom 12.9.1872, Seite 1457

Abschrift:

Hall, l0. Sep­tem­ber. Mit der Erbau­ung einer neu­en Brü­cke über den Wei­ßen­bach, zwi­schen den Bezir­ken von Hall und Mils, ist bereits begon­nen. Dies­sei­tig ist der Brü­cken­pfei­ler bis zur Höhe des ein­zi­gen, 18 Fuß wei­tem Stein­bo­gens auf­ge­mau­ert und wird die Fahr­bahn der neu­en Brü­cke um 8 Fuß höher als die da­malige alte, wodurch die für schwe­res Fuhr­werk bis­her bei schlech­tem Wege so fata­le Stei­gung an bei­den Ufern für die Zukunft besei­tigt wird. Die Aus­füh­rung die­ses Brü­cken­bau­es, den Hr. Bau­meis­ter Goll­ner von Wat­tens über­nom­men hat, wird sei­tens der k.k Lan­des­bau­be­hör­de durch den Hr. Bezirks-Inge­nieur Engel­brecht inspi­ziert.

Die­se Brü­cke hielt bis zum ers­ten Welt­krieg, obwohl sie stän­dig repa­riert wer­den muss­te. Der Bach war ein­fach mit sei­ner Urge­walt eine ste­te Gefahr für alle Benüt­zer.

Am 26.10.1884 vermerkt der Unterinntaler Bote:

In Mils wur­de die Brü­cke beim Weit-Schieß­stan­de in Fol­ge bedenk­li­cher Bau­fäl­lig­keit durch neue eiser­ne Quer­bal­ken mit Schutz­ge­län­der dau­er­haft her­ge­stellt.

Auch in den wei­te­ren Jah­ren fan­den immer wie­der Aus­besserungsarbeiten statt, bis es im Spät­som­mer 1916 nach einem schwe­ren Ge­witter im Hall­tal zum Ein­sturz kam.

Als letz­te Per­son, die die­se Brü­cke über­quer­te, gilt Anto­nia Hai­der. Sie war seit vie­len Jah­ren Bötin von Mils. Eine flei­ßi­ge, kräf­ti­ge und zähe Per­son, die der Bevöl­ke­rung von Mils die Besor­gun­gen abnahm. Kraft ihrer halb­amt­li­chen Stel­lung war sie auch befugt, bei Ämtern und Behör­den Doku­men­te zu über­neh­men. Als 1914 drin­gend Kar­bid für den Was­ser­lei­tungs- bzw. Stol­len­bau benö­tigt wur­de, schlepp­te sie 25 kg in ihrem Ruck­sack her­bei. Sie bewirt­schaf­te­te gemein­sam mit ihrem Gat­ten Albert den Hof „beim Ober­län­der“ Haus-Nr. 46.

In den Kriegs­jah­ren 1916 – 1918 wur­de vom K.K. Schüt­zen­re­gi­ment eine neue Brü­cke errich­tet.

Gedenktafel Weißenbachbrücke
Die­se Gedenk­ta­fel befin­det sich auch heu­te noch an der Nord­sei­te der Brü­cke.

Nach Kriegs­en­de, in der Zeit der I. Repu­blik, haben „Patrio­ten“ das K.K. aus­ge­schla­gen. Eben­so die Num­mer des Schüt­zen­re­gi­men­tes, wel­ches die Bau­aus­füh­rung über hat­te. Nach Aus­sa­ge alter Mil­ser waren es Sol­daten aus dem öst­lichs­ten Teil der Mon­ar­chie.

Weißenbachbrücke 1920
Die Brü­cke in 1920er Jah­ren gegen Wes­ten. Die Fahr­bahn zeigt noch eine star­ke Wöl­bung. Im Hin­ter­grund die stei­le Auf­fahrt.
Weißenbachbrücke in den späten 1930er Jahren
Die Brü­cke in den spä­ten 1930er Jah­ren. Die Stra­ße wur­de ein­ge­eb­net und von Hal­ler Sei­te bis zur Mit­te asphal­tiert.
Taubstummenanstalt, Weißenbachbrücke
Taub­stum­men­an­stalt, Wei­ßen­bach­brü­cke
Weißenbachbrücke
Wei­ßen­bach­brü­cke

Josef Wald­ner, 27.5.2015

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