Die Trinkwasserversorgung von Mils

Will man Was­ser trin­ken oder zu ande­ren Zwe­cken ver­wen­den – kein Pro­blem. Man dreht ein­fach den Hahn auf. Daher ist es kaum zu glau­ben – aber erst 100 Jah­re ist es her, dass Mils durch den Bau der „Alex­an­der­quel­le“ sowie den Neu­bau des Was­ser­lei­tungs­net­zes eine (für damals) moder­ne und gesi­cher­te Trink­was­ser­ver­sor­gung erhielt. In drei Tei­len soll hier die Ent­wick­lung des heu­te so Selbst­ver­ständ­li­chen umris­sen wer­den.

Teil I: Trinkwasserversorgung bis 1914

Die Trinkwasserversorgung von Mils
Das Hall­tal am Beginn des 20 Jhts.

Die Ver­sor­gung unse­rer Gemein­de mit Trink­was­ser reicht weit in die Zeit vor schrift­li­chen Auf­zeich­nun­gen zurück. Als Quell­ge­biet dien­te das Hall­tal, wo Mils „seit alters her“ ein Was­ser­recht besaß. Von dort wur­de das kost­ba­re Nass  im offe­nen Gerin­ne, spä­ter in Holz­rohr­lei­tun­gen, dann in Ton-  und Eisen­roh­ren nach Mils gelei­tet, wo es aus Brun­nen ent­nom­men (noch Mit­te der 1950er Jah­re wur­de das Vieh an den offe­nen Dorf­brun­nen getränkt). Auf­zeich­nun­gen gibt es von 1852, als eine neue Anla­ge errich­tet wur­de, die das Was­ser mit­hil­fe von Holz­roh­ren ins Dorf brach­te und dort vier Brun­nen ver­sorg­te: Im Ober­dorf (beim „Schiachl“), im Unter­dorf („Flo­ria­ni­brun­nen“ süd­lich der Kir­che), im Hof vom Fais­ten­ber­ger und vom Stift­moar. 1892 wur­de ein neu­es Lei­tungs­netz für das gan­ze Dorf gebaut, das aus dem Stol­len am Uster­berg im Hall­tal gespeist wur­de. 2550 m Ton­roh­re mit 15 cm Durch­mes­ser wur­den ver­legt, ein neu­er Hoch­be­häl­ter sorg­te für einen höhe­ren  Was­ser­druck und die ers­ten Hydran­ten wur­den gesetzt. Neben den vier Dorf­brun­nen gab es nun meh­re­re Brun­nen einer Was­ser­ge­nos­sen­schaft.

Im Lau­fe der Zeit zeig­te die­ses Lei­tungs­netz aber beträcht­li­che Miss­stän­de in tech­ni­scher und hygie­ni­scher Hin­sicht, wie in einem Gut­ach­ten 1913 ange­führt: Kalk­ein­la­ge­run­gen ver­eng­ten die Lei­tun­gen, dass „sie kaum für den Klein­fin­ger pas­sier­bar sind“. Die Fol­gen waren Druck­ver­min­de­run­gen bis zur Sta­gna­ti­on und „hoch­gra­di­ger Was­ser­man­gel“ im Dorf (in hei­ßen Som­mern funk­tio­nier­te z.B. die Was­ser­lei­tung im Ober­dorf nur eine Stun­de pro Tag). „Das Was­ser muss in die­sen Zei­ten viel­fach in grö­ße­ren Gefä­ßen aufge­speichert wer­den, was für Trink­was­ser­zwe­cke nicht ein­wand­frei  ist“. Infek­ti­ons­krank­hei­ten häuf­ten sich (meh­re­re Typhuser­kran­kun­gen mit einem Todes­op­fer) sowie ande­re Durch­fall­erkran­kun­gen; bei Schwei­nen tra­ten immer mehr Fäl­le von Rot­lauf auf.

So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass man sei­tens der Gemein­de­füh­rung die Neu­fas­sung der Quel­len und die Erneue­rung des Lei­tungs­net­zes vor­an­trieb.

Bei den Was­ser­rechts­ver­hand­lun­gen 1913 waren von Mil­ser Sei­te ver­tre­ten: Johann Lah­ar­tin­ger (Gemein­de­vor­ste­her), Franz Tief­entha­ler, Kas­si­an Schiendl, Sebas­ti­an Fan­k­hau­ser (Feu­er­wehr-Kom­man­dant).

Der Bau der Alexanderquelle 1914

Die Trinkwasserversorgung von MilsNach inten­si­ven Vor­be­rei­tun­gen und Ver­hand­lun­gen (s. Teil I) wur­de am 20.3.1914 mit dem Bau begon­nen und ein Stol­len 78 Meter tief in den Berg getrie­ben. Zum Dank an den ver­dienst­vol­len Inspek­tor des Tiro­ler Lan­des­kul­tur­am­tes Alex­an­der von Leiß wur­de die Quel­le „Alex­an­der­quel­le“ getauft und von Leiß die Ehren­bür­ger­schaft von Mils ver­lie­hen.

Die Alex­an­der­quel­le befin­det sich Absa­mer Gemein­de­ge­biet  ca. 200 m ober­halb der soge­nann­ten Berg- oder Grenz­ka­pel­le. Die gemau­er­te Quell­stu­be wur­de auf der rech­ten Sei­te des Salz­berg­ba­ches errich­tet, sodass die Salz­berg­stra­ße wie auch die Sole und Kabel­lei­tung unter­fah­ren wer­den muss­te. Mit der seit lan­gem bestehen­den und neu gefass­ten Has­lach­quel­le wur­de ein Ver­bund her­ge­stellt. Die­se Lösung hielt ca. 50 Jah­re.

Dem jewei­li­gen Besit­zer des Grün­eg­ger-Hofes stand das Recht der Was­ser­ent­nah­me zur Bewäs­se­rung aus dem Hoch­be­häl­ter zu. Und zwar von Geor­gi (24. April) bis Gal­li (16. Okto­ber) im Aus­maß von 12 Minu­ten­li­ter Trink­was­ser aus der neu­en Druck­rohr­lei­tung. Eini­ge Kos­ten­punk­te:

Der Was­ser­lei­tungs­bau ver­schlang 70.225 Kro­nen und 56 Hel­ler. Auch damals muss­ten beträcht­li­che Sum­men an die Auf­sichts­be­hör­de (Land und Bezirk) bezahlt wer­den (Kom­mis­si­ons­kos­ten), ein geo­lo­gi­sches Gut­ach­ten von Dr. Jos Blaas kos­te­te 6o Kro­nen. Die Grab­ar­bei­ten ver­rich­te­ten haupt­säch­lich Josef Pfit­scher, die Brü­der Chis­te, Alo­is Tschugg, Lud­wig Freu­den­schuß, Johann Ange­rer, die 4 Kro­nen pro Tag­schicht erhiel­ten. Johann Lah­ar­tin­ger erhielt pro Gang nach Inns­bruck 3 Kro­nen. Zum Ver­gleich: 100 kg Zement kos­te­ten 4 Kro­nen, 5 Hel­ler.

In den Jah­ren 1913/14 wur­den aus­ge­ge­ben:

Für den Stollenbau            14.649 Kronen 8o Heller
für den Wasserleitungsbau     70.225 Kronen 56 Heller
Summe                         84.875 Kronen 36 Heller

Die Bau­lei­tung lag in den Hän­den von Alo­is Posch (Tisch­ler­meis­ter, wohn­haft Haus­num­mer 66), Gemein­de­vor­ste­her war Johann Lah­ar­tin­ger (sen.). 1914 zeich­net auch Schiendl als Gemein­de­vor­ste­her. Die Alex­an­der­quel­le wur­de auch Bet­tel­wurf­quel­le genannt. Das mit dem Stol­len­bau laut Aus­schrei­bung betrau­te Unter­neh­men war die Fa. Franz Gabri­el­li aus Pre­daz­zo.
Trotz die­ser neu­en Anla­ge muss­te die Mil­ser Bäue­rin und Haus­frau das Was­ser auf der Stra­ße beim Dorf­brun­nen holen. Haus­brun­nen gab es noch kei­ne.

Eini­ge die­ser Stand­or­te sind uns aus Abrech­nun­gen bekannt:

  • In der Nähe beim Stras­ser
  • Im Aichat
  • Beim Armen­haus
  • In der Nähe beim Kröll, wo ein alter Brun­nen aus­ge­tauscht wur­de
  • Beim Bäcken
  • Beim Haus Nr. 29
  • In der Nähe des Gemein­de­hau­ses
  • Beim Pfarr­haus
  • Beim Tief­entha­ler (Flo­ria­ni­brun­nen)
  • Beim Schiechl
  • Der Aster­brun­nen

(nach Wort­laut in den Rech­nun­gen)

Ein arges Pro­blem brach­te der Aus­bruch des Welt­krie­ges mit sich. Wenn auch vie­le Mil­ser am Bau beschäf­tigt waren (Bau­ern, Hand­wer­ker, Tag­löh­ner), so stell­ten  aber die Ita­lie­ner den weit­aus größ­ten Teil der Arbei­ter, wel­che aber bei Ein­tritt Ita­li­ens in den Krieg flucht­ar­tig Mils ver­lie­ßen. Vom Tüch­tigs­ten unter ihnen wird heu­te noch erzählt, dass er pro Tag 12 – 13 m Gra­ben schaff­te – und das beim Mil­ser Boden. Die Mobil­ma­chung erreich­te auch vie­le Mil­ser, so waren kurz­fris­tig zwei Bür­ger­meis­ter ver­ant­wort­lich. Johann Lah­ar­tin­ger muss­te ein­rü­cken und Cas­si­an Schiendl über­nahm die Ver­ant­wor­tung.

Wie bereits aus­ge­führt, hat­te der Tisch­ler­meis­ter, Alo­is Posch, die Ober­auf­sicht des gesam­ten Pro­jek­tes. Die­ser über­aus tüch­ti­ge Mann, den man lie­be­voll und ach­tend den Dr. Suit­ner nann­te, (Haus-Nr. 66, beim Suit­ner) muss­te auch ins Feld. Sei­ne Auf­zeich­nun­gen gin­gen ver­lo­ren, wes­halb es in Mils kei­ne Plä­ne der neu­en Was­ser­lei­tung  gab.

Abschlie­ßend sei noch erwähnt, dass die Erhal­tung bzw. War­tung der Quel­len und Quell­stu­ben dem Wald­auf­se­her oblag, wäh­rend die War­tung der Dorf­brun­nen meis­tens von den jewei­li­gen Stra­ßen­ma­chern, wel­che die Gemein­de für die­se Tätig­keit bezahl­te, durch­ge­führt wur­de.

Josef Wald­ner 25.11.2014

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