Fasching 2008: Pfarrer-Predigt

Heit graben wir den Bären ein, die Matschgerer laden dazu alle ein!

Liebe alles Gläubige! Und nicht alles Wissende! Liebe Leichtgläubige!

Ich habe euch auch eine wah­re Froh­bot­schaft zu ver­kün­den! End­lich hat sich die Pro­phe­zei­ung des Johan­nes erfüllt, wenn er schreibt: ES WIRD EINER KOMMEN! Nun haben wir Mil­ser end­lich, was wir so lan­ge ersehn­ten: EINEN PROMI!

Einen Latin-Lover mit gelock­tem Hoor,
a  Stimm wie der gan­ze Kir­chen­chor,
dunk­le Haut wie ein Knab­ber­n­os­si-
das ist unser Simi­no Ros­si!

Wie wur­de der arme Schla­ger­gott nicht vom Schick­sal geschla­gen!! Das ist eben der Unter­schied zwi­schen dem wah­ren Gott und einem Schla­ger­gott: Gott wohnt über­all- der Schla­ger­gott hat nicht ein­mal ein Bau­grund­stück! Gera­de Jesus weiß, wie bit­ter es ist, wenn man auf Her­berg­su­che her­um­zieht und nir­gend­wo Ein­lass erhält! Sol­len Semi­nos Kin­der etwa auch in einer Krip­pe zur Welt kom­men- und nach­her viel­leicht vom Pittl Chris­ti­an als Krip­pen­fi­gu­ren geschnitzt wer­den? Da hat­te unser Bür­ger­meis­ter- der Robin Hood der Woh­nungs­su­chen­den- eine Erleuch­tung! In einem Akt der Nächs­ten­lie­be wur­de Semi­no ein Gemein­de­grund­stück ange­bo­ten-und Semi­no zieht von der gefühls­kal­ten Hal­ler Wüs­te in das gelob­te Dorf Mils!

Lie­be Glau­bens­brü­der- ver­fal­len wir nicht der Sün­de des Nei­des, denn so ein Grund­stück ist ja nur ein Sym­bol der Ver­gäng­lich­keit, es besteht aus Staub von dem wir kom­men und zu dem wir wer­den! Und wir wer­den berühmt wer­den! Nie­mand wird uns in der wei­ten Welt mehr belei­di­gen, wenn wir uns als Öster­rei­cher vor­stel­len und „ ah, wo der Hit­ler her­kommt“ zur Ant­wort krie­gen- nein, wir kön­nen uns als Mil­ser zu erken­nen geben und „ ah, und wo der Ros­si wohnt“ hören- das wird unse­rer See­le gut tun! Und viel­leicht wer­den wir ja wie­der ein Wall­fahrts­ort! Wo man frü­her zur Jung­frau Maria gepil­gert ist, pil­gert man dann zu Semi­no. Das fast alle Fans aus einer armen Gegend- dem Osten Deutsch­lands stam­men, soll­te uns nicht stö­ren, denn schließ­lich pil­ger­ten frü­her ja auch die Baum­kirch­ner nach Mils!

Lie­be Gläu­bi­ge! Wenn Mor­gen die Fas­ten­zeit beginnt, erfüllt mich das mit gro­ßer Sor­ge! Weil vie­le Mil­ser ja schon das gan­ze Jahr fas­ten muss­ten-weil die Mil­ser Lebens­mit­tel­ver­sor­ger „ Nah’­für die Fisch“, s’ Wag­go­ner­le und s’Rag­ger­le Auf­schnag­ger­le“ nim­mer in der Lage waren, die durch stän­di­ge Wohn­bau­ten stän­dig stei­gen­de Mil­ser Bevöl­ke­rung mit Grund­nah­rungs­mit­teln zu ver­sor­gen. Ich appel­lie­re in christ­li­cher Nächs­ten­lie­be an Wedl, Mpreis, Spar und Bil­la end­lich eines der zahl­rei­chen bil­li­gen Grund­stü­cke in Mils zu erwer­ben, bevor die Situa­ti­on wei­ter eska­liert und wir Ver­hält­nis­se bekom­men wie im Gaza- Strei­fen!

Des­halb wur­de auch in den engen Gäss­chen des Dorf­zen­trums die Geschwin­dig­keit auf 30 km/h redu­ziert, damit nicht die vom Hun­ger geschwäch­te Bevöl­ke­rung über­fah­ren wird! Außer­dem muss­ten die pri­va­ten Grund­stü­cke im Dorf­zen­trum für die Nutung Pri­va­ter gesperrt wer­den, um eine sozia­le Labe­sta­ti­on ein­zu­rich­ten, wo geschwäch­te mit den Abfäl­len der Kraut- und Rüben­pro­duk­ti­on aus dem Leg­ner­vier­tel auf­ge­päp­pelt werden.Diese Labe­sta­ti­on soll­te aber archi­tek­to­nisch an die Schach­tel­form der neu­en Volks­schu­le ange­passt wer­den. Weil wir uns nicht einen der Inns­bru­cker Star­ar­chi­tek­ten leis­ten kön­nen, muss­ten wir eben auf einen leist­ba­ren Wür­fel­ar­chi­tek­ten zurück­grei­fen! Um den Kin­dern und der All­ge­mein­heit den Anblick die­ses nack­ten Gebäu­des zu erspa­ren wird auf Wunsch des grün­alternativen Direk­tors die Fas­sa­de mit schnell wuchern­den Grün­pflan­zen bedeckt. Soll­te also die­ses Gebäu­de jemals Früch­te tra­gen, könn­ten die­se für die gesun­de Jau­se zweck­ent­frem­det wer­den. Da also die Schwar­zen die Schu­le bau­en, die Grü­nen sie begrü­nen, die Blau­en über­haupt dage­gen sind, möch­ten auch die Roten ihre Alp­träu­me von A bis Z end­lich ver­wirk­li­chen: so könn­te neben der Volks­schu­le der unter „S„erträumter Schwimm­teich errich­tet wer­den. So bräuch­ten die Schü­ler nicht mehr weit zu teu­ren Sport­ver­an­stal­tun­gen rei­sen, vor der Haus­tü­re könn­te man segeln, unter dem unte­ren Wind sur­fen, schwarz fischen, Was­ser­schi fah­ren, geneh­mig­tes Rund­her­um-Rei­ten betrei­ben, einen Rund­wan­der­weg für Hun­de­be­sit­zer unter dem Moto für jedes Gag­gerl ein Auto­ma­ten-Sackerl ein­rich­ten! Auch die Kir­che macht nach dem anstren­gen­den Fasching eine Woche Urlaub- daher statt der Got­tes­dienst­ord­nung für die kom­men­de Woche die Müll­ord­nung: Mon­tag: Abga­be gel­be Säcke. Diens­tag: fau­le Säcke Mitt­woch: Alte Säcke. Und jeden 2. Frei­tag Abga­be des Spem­nülls beim Kir­chen­wirt, da dort ein paar Stü­cke Gerüm­pel mehr sowie­so kei­ner merkt!

Lasset uns zum Schluss noch beten!

Lie­ber Gott, schen­ke dem Wal­ter Gatt
40 Sei­ten im Gemein­de­blatt
dann sind die ande­ren die Min­der­heit
und schrei­ben nit wie’s war, aber wies sie’s gfreit!

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