Die Straßenregulierung 1845

Nach­dem Obe­r­ing. Alo­is Negrel­li bereits 1838 ein posi­ti­ves Gut­ach­ten zum Bau der Eisen­bahn erstell­te, wur­de die Bahntra­ße um 1842 fest­ge­legt (Kuf­stein – Inns­bruck). Es ist anzu­neh­men, daß die Regu­lie­rung der Land­stra­ße in ursäch­li­chem Zusam­men­hang steht, wenn auch erst 1853 mit dem Eisen­bahn­bau begon­nen wur­de.

Am 18. Okto­ber 1845 kam es zur end­gül­ti­gen Ver­hand­lung mit den Grund­be­sit­zern. Im Kauf­ver­trag heißt es dazu:

Die hohe Lan­des­stel­le geneh­migt mit Dekret vom 29. August 1845 die wegen der Grund­ent­schä­di­gung zur Stra­ßen­re­gu­lie­rung vom Fuße des Rem­mel­rain bis zur Vol­de­rer-Brü­cke mit den Grund­be­sit­zern gepflo­ge­nen Abfin­dungs­ver­hand­lun­gen.

Dem hohen Stra­ßen­är­ar wer­den nun behufs der Umle­gung der Haupt = Post = Com­erz­stra­ße vom Fuße des Remlrain bis zur Vode­rer-Brü­cke und zur Ver­bin­dung mit der alten Stra­ße nach­be­schrie­be­ne Grund­flä­chen im ange­setz­ten Preis zum unwie­der­ruf­li­chen, las­ten­frei­en Eigen­tum über­las­sen“.

Es fol­gen nun 34 Posi­tio­nen in denen Name des Besit­zers, Name der Grund­herr­schaft, wann und wie der Besitz zustan­de kam, wo sich das Grund­stück befin­det, Name des Grund­stü­ckes, Beschaf­fen­heit oder land­wirt­schaft­li­che Nut­zung (Acker oder Mahd, aus wel­cher Katas­ter Num­mer, Grö­ße der Flä­che (in Qua­drat­klaf­ter oder Tei­le davon, meist in Sechs­tel), Bewer­tung des Klaf­ter­prei­ses, falls meh­re­re Stücke/Summe der Flä­che sowie Ein­zel und Gesamt­be­trag in Gul­den und Kreu­zer her­vor­geht.

Die betrof­fe­nen Grund­be­sit­zer sind:

1. Maria Klo­cker i. V. Alo­is Klo­cker
2. Niko­laus Schlie­renzau­er
3. Maria Hei­deg­ger, Wit­we Kris­mer in Vol­ders
4. Peter Ehrer
5. Micha­el Huber
6. Johann Laim­gru­ber
7. Josef Zeisler
8. Jakob Jud
9. Alo­is Hofer
10. Franz Plank
11. Gabri­el Pon­leit­ner
12. Josef Suit­ner
13. Kas­par Fan­k­hau­ser
14. Anton Tschugg’s Kin­der
15. Johann Lah­ar­tin­ger
16. Mar­tin Schwab
17. Andrä Klin­gen­schmid
18. Johann Schindl und Gat­tin
19. Geno­ve­va Köss­ler
20. Maria Mair, Wit­we Jung
21. Johann Schmid­lech­ner
22. Josef Kir­chebner
23. Anton Suit­ner
24. Ser­vi­ten Klos­ter Vol­ders
25. Ignaz Weis
26. Agnes Köss­ler, Wit­we Ölha­fen
27. Mar­tin Pich­ler
28. Peter Narr
29. Maria Klo­cker
30. Johann Schindl
51. Johann Schmid­lech­ner
32. Geno­ve­va Köss­ler
33. Mar­tin Pich­ler
34. Johann Prun­ner

Dass eini­ge Grund­be­sit­zer zwei­mal auf­schei­nen, ergibt sich dar­aus, dass bei­de Vor­ha­ben (Neu­re­gu­lie­rung und Auf­fahrt zur Brü­cke) gleich­zei­tig ver­han­delt wur­den.

Dabei wur­den 65 Grund­stü­cke ange­schnit­ten, auch meh­re­re geteilt. Nur bei Lah­ar­tin­ger wur­den zwei nutz­los gewor­de­ne Zwi­ckel mit abge­löst.
Die Tra­ßen­füh­rung der alten Land­stra­ße, wahr­schein­lich aus dem alten Nau­weg ent­stan­den, führ­te ziem­lich nahe an der Ufer­kro­ne und war des­halb stän­dig in Was­ser­ge­fahr. Selbst die Äcker dahin­ter (nörd­lich) wur­den bei Hoch­was­ser über­flu­tet.

Das löb­li­che Ser­vi­ten Klos­ter in Vol­ders über­läßt zur Her­stel­lung der Brü­cken-Auf­fahrt und der Ver­bin­dung der neu­en mit der alten Stra­ße:“

a. aus dem Wies­mahd rechts an der alten Stra­ße aus Kat. Nr.4 C. der Gem.Volders eine Flä­che von 121 1/6 Klaf­ter um eine Ent­schä­di­gung von 42 Kreu­zer pro Klaf­ter, also um 84 Gul­den 14 Kreu­zer.

b. aus dem Acker hin­ter der Klos­ter­kir­che aus Kat.Nr.4 D. der Gem.Volders eine Flä­che von 277 2/6 Klaf­ter gegen eine Ent­schä­di­gung von 2 Gul­den 36 Kreu­zer pro Klaf­ter also 721 Gul­den 4 Kreuzer.Das ergibt eine Gesamt­flä­che von 398 4/6 Klaf­ter zu einem Gesamt­be­trag von 805 Gul­den 18 Kreu­zer „.

Auf die Bewer­tung der Grund­stü­cke wur­de sicher das nöti­ge Gewicht gelegt, denn wir fin­den einen Preis von 12 Kreu­zer für min­de­ren Grund 42 und 48 Kreu­zer für Wies­mand, min­de­re Äcker zu 36 Kreu­zer bis 1 Gul­den 12 Kreu­zer. Wäh­rend die guten Äcker im unte­ren Feld – das waren schon immer die ertrag­reichs­ten Flä­chen in Mils – bis zu 2 Gul­den 24 Kreu­zer pro Klaf­ter erziel­ten.

Die gesam­te bean­spruch­te Flä­che für die Neu­re­gu­lie­rung beträgt 5237 1/6 Qua­drat­klaf­ter, was ca. 188.533 m² ent­spricht. ( inklu­si­ve Klos­ter ). Die gesam­te Ablö­se­sum­me 8.706 Gul­den 52 Kreu­zer (inklu­si­ve Klos­ter).

Ver­gleicht man die Ablö­se­sum­me mit ande­ren zeit­ge­nös­si­schen Schätz­wer­ten, so kann man behaup­ten, daß groß­zü­gig abge­löst wur­de, wobei man aller­dings die arge Belas­tung durch die Zer­stü­cke­lung in Rech­nung stel­len muß. Um einen Ver­gleich über die Höhe der Ablö­se­sum­me auf­zu­zei­gen sei erwähnt, daß das Schiml Gut 1847 bei der Ver­stei­ge­rung 2705 Gul­den brach­te.

Eine spe­zi­el­le Rege­lung trifft noch Micha­el Huber, wel­cher dem Kas­par Fan­k­hau­ser ober­halb durch sei­nen Grund das Ein und Aus­fahrt­recht auf ewig zu gestat­ten hat. Er wird extra mit 5 Gul­den abge­fun­den.

Über die Ver­hand­lun­gen mit den ein­zel­nen Grund­herr­schaf­ten wis­sen wir nichts, leicht wird es nicht gewe­sen sein. Jeden­falls wur­den die­se Ver­hand­lun­gen aus­schließ­lich vom Stra­ßen­är­ar selbst durch­ge­führt. Die Schwie­rig­kei­ten lagen weni­ger bei der Abga­be als viel­mehr bei den auf den Grund­stü­cken las­ten­den Hypo­the­ken. Eine Aus­schei­dung der Grund­gi­big­keit wäre zu schwie­rig, daher ver­pflich­te­te sich jeder Grund­be­sit­zer wei­ter­hin im glei­chen Aus­maß an die Grund­herr­schaft zu geben.

Als Ent­schä­di­gung für Win­ter­saat­be­stel­lung:

1. Köss­ler Geno­ve­va 3 G. 2 Kr.
2. Jud Jakob 1 G. 23 Kr.
3. Kir­chebner Josef 2 G. 46 Kr.
4. Klo­cker Alo­is 8 G. 14 Kr.
5. Schwab Mar­tin 1 G. 26 Kr.
6. Fan­k­hau­ser Kas­par 3 G. 17 Kr.
7. Schindl Johann 2 G. 28 Kr.
8. Plank Franz 2 G. 54 Kr.
9. Narr Peter 1 G. 46 Kr.
10. Köss­ler Agnes, Wit­we Ölha­fen 2 G. 31 Kr.
11. Kon­vent in Vol­ders 4 G.

Die Ver­hand­lun­gen mit dem Zeh­ent­neh­mer – in die­sem Gebiet hat­te nur der Pfar­rer den Zehent – führ­te eben­falls das Ärar selbst. Jeder Bau­er gibt zwar gleich­viel wie bis­her, aber die men­ge wird zwangs­läu­fig weni­ger, wes­halb der Zeh­ent­neh­mer eine
Ent­schä­di­gung erhält.

Eini­ge tech­ni­sche Details:

Jeder Grund­be­sit­zer ver­pflich­tet sich einen 3 Schuh brei­ten Strei­fen nicht zu bear­bei­ten und die­sen als Gras­bo­den lie­gen zu las­sen. Er bekommt davon die Gras­nut­zung.

Die Her­stel­lung der Zufahr­ten wird vom hohen Ärar in der Art über­nom­men, daß an den Gren­zen je zwei­er Güter eine Auf­fahrt auf die neue Stra­ße her­ge­stellt wird.

Alle Grund­be­sit­zer oder ihre Ver­tre­ter waren in Hall bei Gericht. Alle Sum­men wur­den bar aus­be­zahlt.
Alle Grund­be­sit­zer leis­te­ten Unter­schrift, die Hälf­te davon mit Nur Klin­gen­schmid ist mit der zu nied­ri­gen Ablö­se­sum­me nicht ein­ver­stan­den und will den Rechts­weg beschrei­ten.

Da alle Grund­stü­cke durch Hypo­thek belas­tet sind, gibt es eine Men­ge Ver­zichts­er­klä­run­gen. (Pfand­recht).
Obwohl eine vor­he­ri­ge Mit­tei­lung sagt, es haben alle der Grund­ab­lö­se zuge­stimmt, wird Alo­is Klo­cker per Dekret vom 16.3.1846 auf­ge­for­dert den Kauf abzu­schlie­ßen und das Geld bei Gericht zu behe­ben.

Nicht abge­klärt, weil bis jetzt noch kei­ne Mit­tei­lung gefun­den wer­den konn­te, bleibt, was mit dem Grund der alten Stra­ße geschah, der zwangs­läu­fig rück­ge­won­nen wur­de. Ein Teil davon blieb ja bis heu­te Feld­weg, aber eben nicht alles.

Ein sehr wich­ti­ger Aspekt für die Gemein­de Mils ergibt sich durch die Über­nah­me der Errich­tung und Erhal­tung der neu­en Haupt-Post-Com­merz­stra­ße durch das Ärar. Die Belas­tung der Dorf­ge­mein­schaft und somit jeden Ein­zel­nen durch die bis­her gepflo­ge­ne Fron­ar­beit ( Fuh­ren und Schich­ten) fällt weg.
Die­se Stra­ße blieb erhal­ten bis in die NS-Zeit.
Die höl­zer­ne Reichs­stra­ßen­brü­cke wur­de im Juli 1939 umge­baut, weil sie der Belas­tung des zwei­bah­ni­gen Rei­se­ver­kehrs nicht mehr gewach­sen war (laut Zei­tungs­mel­dung).

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