Abriss Grünegg 2012

Ein Abriss weckt Erinnerungen

Das Gast­haus Grün­egg gibt es nicht mehr. Es wur­de voll­stän­dig abge­ris­sen. Ein Haus, das nicht nur die Geschich­te einer Fami­lie schrieb, son­dern auch ein gutes Stück Dorf­ge­schich­te, ist end­gül­tig Geschich­te.

Abriss Grünegg 2012Im Okto­ber 1972 eröff­ne­ten Hans und Lot­te Hau­ser den Gast­be­trieb. Bald wur­de das Lokal in Mils und Umge­bung bekannt und gut besucht, was nicht zuletzt an Lot­te lag, die durch ihren Humor und ihr offe­nes und unkom­pli­zier­tes Wesen zur belieb­ten Wir­tin wur­de; ein Zubau muss­te die häu­fi­ge Platz­not lin­dern. Ver­ei­ne des Ortes oder auch von aus­wärts (z.B. mehr­mals die Fuß­bal­ler des FC Wacker) fre­quen­tier­ten das Gast­haus und eine beacht­li­che Zahl von Stamm­gäs­ten fand sich immer wie­der ein. Ja, ein Teil einer gan­zen Genera­ti­on (der heu­te über 60jährigen) erhob das Grün­egg zur zwei­ten Heim­stät­te und ver­brach­te dort einen Groß­teil des Tages (und der Nacht). Den auf­kom­men­den Hun­ger still­te man mit köst­lich gar­nier­tem Appe­tit­brot bzw. Schwei­zer Wurst­sa­lat, oder aß sich der (beharr­li­chen) Spei­se­kar­te nach oben bis zum saf­ti­gen Steak. Es wur­de gelacht und geweint, gesun­gen und getanzt, geliebt und gehasst, geschrien und geschwie­gen, ange­ge­ben und bloß­ge­stellt, belei­digt und ver­zie­hen, geraucht und gehus­tet, getrun­ken und gesof­fen, pro­vo­ziert und geschlich­tet, gewon­nen und ver­lo­ren – wie in jedem Gast­haus eben, wie wohl im Leben über­haupt. Legen­där auch die Haus­bäl­le, stim­mungs­voll und aus­ge­las­sen.

Wenn der Hans mit wei­ßer Schür­ze den Gast­raum betrat, wür­de­voll um sich blick­te, dann war er ganz Wirt und pries sei­ne frisch zube­rei­te­ten Krea­tio­nen an, bevor­zugt Beu­schel, Stierho­den, Beef Tar­tar oder Brenn­sup­pe. Wenn er aber die Schür­ze ableg­te, sei­ner Wat­ter-Lei­den­schaft oder einer lau­ni­schen Stim­mun­gen erlag, konn­te er sich schon vom Ide­al­bild eines Wir­tes ein Stück weit ent­fer­nen. Dann koch­te sein Gehil­fe Mus­ta­fa, der auch einen exzel­len­ten Schweins­bra­ten zube­rei­ten konn­te, obwohl er nie einen gekos­tet hat­te. Nach der Schei­dung der Wirts­leu­te 1988 wur­de es ruhi­ger, der Gesund­heits­zu­stand des Wir­tes ver­schlech­ter­te sich. So wur­de die Gast­stät­te ver­pach­tet (an Bar­ba­ra Schrei­ner 1998 – 2005 und Hr. Stein­eg­ger 2005 – 2006/07).

In den fol­gen­den Jah­ren war das Gast­haus geschlos­sen, 2011 adap­tier­te Sohn Phil­ipp die Küche für sein Cate­ring-Unter­neh­men. Nach dem Tod des Hans Hau­ser 2011 wur­de im Zuge der Erb­schaft die Lie­gen­schaft zwi­schen den Söh­nen Patrick und Phil­ipp auf­ge­teilt. Phil­ipp wird ein neu­es Wohn­haus für sei­ne Fami­lie errich­ten, wobei auch ein klei­nes Café und Bis­tro ein­ge­plant ist, das ca. 20 Sitz­plät­ze auf­wei­sen soll.

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