Beim Müller – von der Mühle zum Friseursalon

Wer kennt ihn nicht, den Mül­ler Stadl, der dort steht, wo das ansons­ten schnur­ge­ra­de Asphalt­band der Mil­ser Nord-Süd­ach­se einen Knick macht. Und auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te steht das Gebäu­de, das über Jahr­hun­der­te das war, was heu­te noch der Name besagt: Eine Müh­le, deren Betrei­ber eben Mül­ler waren.

Müller 1901
1912: v.r.: Alo­is Obert­han­ner, Lui­se, Karo­li­na mit Alfred, Mar­ti­na Unterberger

Die Geschich­te der Müh­le reicht weit in das Mit­tel­al­ter zurück.  1789 erwarb der Mül­ler Johann Harm die Müh­le, sei­ne Toch­ter hei­ra­te­te Anton Obert­han­ner, der Mit­ei­gen­tü­mer wur­de und  nach ihrem Tod das Gut über­nahm. Seit­her ist die Müh­le mit den dazu­ge­hö­ri­gen Lie­gen­schaf­ten über meh­re­re Genera­tio­nen im Besitz der Fami­lie Obert­han­ner (Über­nah­men: 1868 Josef, 1905 Alo­is, 1931 Karo­li­na, 1962 Robert 1996 Pris­ka), so dass 1989 der „Mül­ler“ auf­grund des 200-jäh­ri­gen Fami­li­en­be­sit­zes als  „Erb­hof“ aner­kannt wur­de (als ein­zi­ger in Mils!).

Natür­lich wur­de das Gebäu­de mehr­mals umge­baut. Wur­den ursprüng­lich die Mühl­stei­ne von Was­ser aus einem Rinn­werk aus Holz ange­trie­ben, stell­te man in den 1930er Jah­ren auf Tur­bi­nen­be­treib um. Roberts Schwa­ger Pepi Kol­lenz („Mül­ler Pepi“) war der letz­te Mül­ler, bevor der Betrieb in den 1960er Jah­ren ein­ge­stellt wur­de. Die Fami­lie Obert­han­ner errich­te­te ein neu­es Wohn­ge­bäu­de nörd­lich des Sta­dels, das man 1968 bezog. Pris­ka hei­ra­te­te 1989 Robert Hau­ser, die Ver­bin­dung bei­der Hof­s­tel­len wird mit dem Namen „Grün­eg­ger-Mül­ler“ dokumentiert.

Es scheint eine Eigen­heit der Obert­han­ners gewe­sen zu sein, auch der Nach­welt Infor­ma­tio­nen über die Zeit von Reno­vie­rungs­ar­bei­ten zu hin­ter­las­sen, meist in Fuß­bö­den depo­niert (s. Kas­ten „Für die lie­be Nach­welt“), viel­leicht auch weil sie begrif­fen hat­ten, dass jede Zeit eine Kon­struk­ti­on des Vor­über­ge­hen­den ist und die Geschich­te Sprün­ge zu machen ver­mag wie die Natur auch. Beim Umbau 2011 wur­de eine Holz­kis­te unter den Die­len­bret­tern gefun­den, die neben Geld­schei­nen aus dem 1. Welt­krieg auch Schrift­stü­cke mit inter­es­san­ten Ein­bli­cken in die Fami­li­en­ge­schich­te und die Zeit­span­ne 1925 bis 1961 beinhal­tet. Dar­in wird u.a. auch der Ver­lust des Soh­nes Hans im Krieg beklagt, eben­so auf gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen eingegangen:

[…]Der Mül­ler hat wenig Geschäft. Die Tur­bi­nen­roh­re sind die meis­ten kaputt und im Win­ter ist es oft eini­ge Tage abgefroren.
Es ist jetzt ein gro­ßer Lebens­stan­dard wahr­zu­neh­men. Frü­her konn­te man sich nur im Jahr höchs­tens vier­mal Fleisch essen erlau­ben und zwar an den höchs­ten Fei­er­ta­gen. Jetzt geht es wie­der bes­ser, aber wie lan­ge dies noch anhält, weiß man nicht. Wir haben auch ein Auto gekauft. Ich woll­te davon zwar nicht viel wis­sen, schon wegen der Unglü­cke, wel­che man alle Tage in der Zei­tung liest.
Die Bau­ern wer­den alle Tage weni­ger. Die Jun­gen wol­len von einer Bau­ern­ar­beit nichts mehr wis­sen und die alten kön­nen es nicht mehr machen. Sie ver­kau­fen meist alle den Grund und die Jun­gen gehen in die Fabrik. Sie ver­die­nen halt viel mehr, aber die Zufrie­den­heit wird immer weniger.

(Lina Obert­han­ner)

Im Zuge des letz­ten Umbaus 2008 wur­de aus den nun schon deso­la­ten Räum­lich­kei­ten der alten Müh­le ein Fri­seur­la­den („Caro der Salon“). Dabei wur­de behut­sam vor­ge­gan­gen und der Cha­rak­ter der Räum­lich­kei­ten so wenig wie mög­lich ver­än­dert und alte Bau­ele­men­te erhalten.

Und irgend­wie scheint es, als ob sich der Kreis geschlos­sen hät­te: Brach­ten frü­her die Bau­ern das Korn und hol­ten das Mehl wie­der ab, so gehen heu­te Män­ner und Frau­en hin­ein, um mit neu­er, frisch geschnit­te­ner, gekämm­ter, geleg­ter oder gesteck­ter Haar­tracht die ehe­ma­li­ge Müh­le wie­der zu ver­las­sen. Ein Haus der Ver­wand­lun­gen – nur eben an die Bedürf­nis­se der Zeit angepasst.

 

2016 05 20 14.36.43 n

2012 02 27 14.27.38 n

 

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