Das Oswald-Milser-Schlössl (beim Auer)

Einen sehr wich­ti­gen Bei­trag zur DORFERNEUERUNG leis­te­te das Bun­des­denk­mal­amt. Dr. F. Cara­mel­le bewies wie­der ein­mal, dass er für unser Dorf sehr viel übrig hat. Unter Auf­sicht von DI. Wer­ner Jud wur­de mit einem Auf­wand von über S.100.000.- die Reno­vie­rung des Oswald Mil­ser Hau­ses in Angriff genommen.Franz Hop­pich­ler, Besit­zer des „Schlössl“, wie es in der Fami­lie lie­be­voll genannt wird, erstell­te das Gerüst. Nach ein­ge­hen­der Unter­su­chung, Bera­tung und Vor­ar­bei­ten der Fach­leu­te wur­de    der Reno­vie­rungs­auf­trag der Fa.Huberti über­ge­ben. Die­se Fa. führ­te bereits die Reno­vie­rung des Schlos­ses Schnee­burg, sowie der St.Annen Kir­che durch. Arch. Wal­ter Hau­ser, Mau­er­tech­ni­ker  und Mate­ri­al­kund­ler des Denk­mal­am­tes, bestimm­te genau, wel­che Tei­le unbe­rührt zu blei­ben haben und wel­che aus­ge­bes­sert wer­den sol­len. Es gibt angeb­lich in Tirol nur noch ein  gleich­wer­ti­ges Haus im Ober­land, das an der Fas­sa­de noch die ori­gi­na­len Außen­putz­res­te auf­weist wie das Oswald Mil­ser Haus in Mils. Die Durch­füh­rung der Arbei­ten lag in den Hän­den von  Hans Rid­ler und Chris­ti­ne Triendl, bei­de akad. aus­ge­bil­de­te Bild­hau­er, die sich in den Som­mer­mo­na­ten dem Team Huber­ti anschlos­sen und der­ar­ti­ge Mau­er­sa­nie­run­gen durch­führ­ten. Es wur­de  sehr sorg­fäl­tig, unter größt­mög­lichs­ter Scho­nung des alten Bestan­des gearbeitet.3 Jah­re alter Sumpf­kalk wur­de für den Kalk­mör­tel ver­wen­det. Die feh­len­den Kalk­stei­ne ergänzt. Es wur­den  kei­ner­lei neu­ar­ti­gen Mate­ria­li­en ver­wen­det, nur bei den Unter­sei­ten der Fens­ter­schei­nun­gen wur­de eine Hydro­pho­bie­rung auf den Kalkan­strich aufgebracht.Interessant auch die Auf­fin­dung zwei­er alter Fens­ter­durch­läs­se, die wie­der aus­ge­bro­chen wur­den und uns so die Ori­gi­nal­grö­ße ver­deut­li­chen.

Ein Wort zur Datierung:Natürlich wur­de im Zuge der Reno­vie­rung kein Stein mit ein­ge­mei­ßel­ter Jah­res­zahl gefun­den, wor­auf wir uns wie­der den übli­chen Quel­len zuwen­den müssen.Die Tra­di­ti­on berich­tet, dass Oswald Mil­ser die­sen Ansitz der Pfar­re Mils gestif­tet hat. Der um 1388/1390 ver­stor­be­ne Rit­ter war wie sei­ne Vor­fah­ren Minis­te­ria­le der Andech­ser und hat­te als sol­cher das Recht, ein Lehen der Andech­ser einer geist­li­chen Stel­le zu schen­ken. Eben­so wis­sen wir von einem Rich­ter (judex), der in Urkun­den erwähnt wird und dort in die­sem Haus (Haus­kom­plex) sei­nen Sitz gehabt haben dürf­te. Kom­plex des­halb, weil west­lich des benann­ten O.M. Hau­ses ein eben­sol­ches (älte­res ?) stand und zwar ziem­lich genau dort, wo sich heu­te die Ten­nen­auf­fahrt befin­det. Aus den Kauf­ver­trä­gen kann man schlie­ßen, dass die­ses 2.Gebäude unter dem Besit­zer Niko­laus Schlie­renzau­er, der Bau­er und Schnei­der war, des­halb einer der Haus­na­men „beim Schnei­der“, abge­ris­sen, oder min­des­tens nicht mehr bewohnt wur­de.

Schon bei ober­fläch­li­cher Betrach­tung sieht man, dass der jetzt reno­vier­te Teil älter sein muss als der gegen Süden an= schlie­ßen­de. Man soll­te sich aber von den, für die Schlie­ßung von Fens­tern und Türen sowie Aus­bes­se­run­gen in der Außen­mau­er ver­wen­de­ten, Zie­gel nicht täu­schen las­sen. In der Urkun­de, in der eine gericht­li­che Streit­bei­le­gung behan­delt wird, erfah­ren wir, dass die­ses Haus zur Ver­wen­dung als Widum erbaut wur­de. (Pfarr­ar­chiv Mils Urk.Nr.13 vom 6.März 1417) Der Kir­chen­propst wird ver­pflich­tet, das nöti­ge Geld (12 Mark jähr­lich) bereit zu stellen…u.a. auch aus dem neu­en Widum, den Niko­laus von Unter­burg gestif­tet, Eber­hard Sulz­rai­ner gebaut hat und der­zeit auch besitzt (18 Pfund).

Die­ser Niko­laus von Unterpürk war Pfar­rer in Mils, Dekan im Unter­inn­tal und Chor­herr in Bri­xen, ein Zeit­ge­nos­se Oswald Mil= sers. Eber­hard Sulz­rai­ner war Pfar­rer von Baum­kir­chen, 1398 vom Bischof von Bri­xen ein­ge­setzt. Ein Jahr spä­ter von Papst Boni­fa­ti­us IX. als Pfar­rer in Baum­kir­chen ali­as in Muls bestä­tigt. Zu sei­ner Zeit waren die Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Baum­kir­chen und Mils wegen des Sit­zes des Pfar­rers am stärks­ten. Es ist also nicht ver­wun­der­lich, wenn in Mils ein neu­er Widum gebaut wur­de.

Sei­ne gute Erhal­tung ver­dankt die­ser Bau der Tat­sa­che, dass er eben bis zum wei­te­ren Neu­bau (1775) als Widum in Ver­wen­dung stand.

Das Oswald-Milser-Schlössl (beim Auer)

Quel­le: Zim­mer­mann H.,  Kun­ter­bun­tes aus Mils

Das Oswald-Milser-Schlössl (beim Auer)Das Oswald-Milser-Schlössl (beim Auer)

Das Oswald-Milser-Schlössl (beim Auer)
Auf­nah­me vor dem 1. Welt­krieg (Foto Stock­ham­mer)

 

Das Oswald-Milser-Schlössl (beim Auer)
Brand 1972
Das Oswald-Milser-Schlössl (beim Auer)
Umbau­ten anläss­lich der Dorf­er­neue­rung 1991
Das Oswald-Milser-Schlössl (beim Auer)
West­sei­te: Links im Bild der nörd­li­che Teil der West­sei­te, der 1991 reno­viert wur­de.
Das Oswald-Milser-Schlössl (beim Auer)
Nord­sei­te: Im Mit­tel­teil ist der Ori­gi­nal­ver­putz erhal­ten.

 

 

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