Franzosenkriege 1809

Die Franzosenkriege 1797 bis 1814 aus der Sicht des Milser Pfarrers Dr. Johannes Thomas Popp

Pfar­rer Popp schrieb die Erg­eig­nis­se in die Mil­ser Pfarr­chro­nik teils in Deutsch und teils in Latein. Die latei­ni­schen Pas­sa­gen sind in der Fol­ge kur­siv aus­ge­druckt und stam­men tei­wei­se aus einer Über­set­zung, die in meh­re­ren Aus­ga­ben des Unter­inn­ta­ler Boten des Jah­res 1915 erschie­nen sind. Wei­te­re mit * gekenn­zeich­ne­te Absät­ze konn­ten in der Pfarr­chro­nik nicht gefun­den wer­den, sind aber dem Unter­inn­ta­ler Boten ent­nom­men.

Der Krieg Anno 1797

1797: Tyrol wur­de von allen Sei­ten von den Fran­zo­sen bedroht, ja es geschah auch lei­der, daß sie schon bis Bri­xen kamen. Die Stadt ergab sich, das kai­ser­li­che Mili­tär reti­rier­te (zog sich zurück) bis nach Salz­burg. Gene­ral Baron von Ker­gen stund noch mit 2000 Mann in Ster­zing, auch der jun­ge tap­fe­re Gene­ral Laudon mit weni­gen sei­ner Leu­te in Meran. Es wur­de daher der all­ge­mei­ne Land­sturm gewagt, wobei alle Tyro­ler, jun­ge und alte in Mas­se auf­stan­den. Am 27. März vor­mit­tags um 1/2 11 Uhr wur­de hier in Mils Sturm geläu­tet (es geschah hier zuerst im gan­zen Gericht Thaur), alles eil­te Ster­zing zu. Das Gericht Ster­zing samt den obern Gerich­tern muß­ten über das Pen­zer Joch nach Vahrn vor­drin­gen. Das Land­ge­richt Son­ne­burg wur­de nach Spin­ges beor­dert. Gene­ral Laudon rück­te mit den Vint­sch­gern und den umlie­gen­den Bau­ern nach Bozen und griff die Fran­zo­sen dort tap­fer an und trieb sie mit gro­ßen Ver­lus­ten zum Land hin­aus. Eben­so strit­ten auch jene zu Spin­ges und Vahrn tap­fer gegen die Fran­zo­sen und war­fen sie zum Lan­de hin­aus. Zu Spin­ges wur­den auch vie­le Bau­ern teils tot­ge­schos­sen, teils ver­wun­det, denn sie waren all­zu hit­zig. Auch zu Durn­holz waren beson­ders die Mil­ser und Baum­kirch­ner in gro­ßer Gefahr. Von Mils waren dabei 98 Mann. Der Pro­vi­ant wur­de ihnen von der Gemein­de nach­ge­führt, doch von Mils und Baum­kir­chen, wel­che eine Kom­pa­nie aus­mach­ten, kamen alle glück­lich zurück. Ein Mann von Absam fiel zu Tod über einen Fel­sen.

1797 27. März kam die Nach­richt, dass die Fran­zo­sen, wel­che schon in Bri­xen waren,sich der Stadt Ster­zing näher­ten. Also wur­den hier um unge­fähr halb elf Uhr alle Glo­cken geläu­tet und das Zei­chen gege­ben, dass alle Bewaff­ne­ten sich ver­sam­meln, um gegen die Fein­de vor­zu­ge­hen. Das geschah auch in Baum­kir­chen, Vol­ders, Wat­tens, Col­saß, Weer, Weer­berg usw. Die Mil­ser und Baum­kirch­ner in einer Kom­pa­nie bega­ben sich noch am sel­ben Tag nach Thaur, am nächs­ten Tag bis Matrei und dann nach Ster­zing. Von dort aus gelang­ten sie nach unge­heu­ren Anstren­gen über die Jöcher bis Penz, Durn­holz, sodann bis in die Ber­ge von Faren (Vahrn), woselbst sie die Fran­zo­sen angrif­fen und tap­fer zurück­schlu­gen. Schüt­zen­haupt­mann war Josef Schindl von Baum­kir­chen , Ober­leut­nant war Karl Weinold Orga­nist, Unter­leut­nant Niko­laus Jung, Sohn des Mes­ner Josef Jung aus Mils. Es waren zwei jun­ge, gesun­de, sehr tap­fe­re und erfah­re­ne Män­ner. Aber unter den Wei­ber­leu­ten gab es einen Auf­lauf und Zugang, dass es nicht zum sagen ist. Vie­le eil­ten und ver­gru­ben Geld und Kost­bar­kei­ten in die Erde, ande­re ver­lie­ßen die Häu­ser und eil­ten in die Ber­ge hin­auf und wie­der ande­re erfüll­ten alles mit hef­ti­gen Wei­nen, Kla­ge­ge­schrei und Lär­men.

Friede von Campoformio

1797 17. Okto­ber. End­lich wur­de zu Campo­for­mio bei der Stadt Udi­ne zwi­schen Kai­ser Franz II. und der neu erstan­de­nen Repu­bik Frank­reich ein Frie­dens­ver­trag mit 25 Arti­kel geschlos­sen. … Sei­tens Öster­reichs waren die Gra­fen Lud­wig von Coben­zel und Maxi­mi­li­an von Mer­feldt, sei­tens der Schweiz Igna­ti­us L.B von Degel­mann ver­tre­ten, sei­tens Frank­reich nur Bona­par­te. In die­sem Frie­dens­ver­trag kam Vene­ti­en an das Haus Öster­reich, die Lom­bar­dei ging ver­lo­ren.

Einnahme Roms und Gefangennahme des Papstes

1798 Gegen Ende des Monats Hor­nung (=Febru­ar) nah­men die Fran­zo­sen Rom in Besitz, obschon sei­ne geist­li­che Hei­lig­keit Pius VI. den­sel­ben alles gab, was sie ver­lang­ten. In einer Unru­he wur­de ein fran­zö­si­scher Gene­ral mit Namen Duschot ermor­det. Dar­auf bezo­gen die Fran­zo­sen die Stadt Rom. Die fran­zö­si­schen Gene­rä­le Bert­hi­er und Mas­sena lie­ßen den Papst nach Flo­renz brin­gen. Am 25. März kam Pius VI nach Sie­na und blieb eine Zeit lang bei den Augus­ti­nern, dar­auf reis­te er nach Flo­renz und Ende März wur­de er nach Besancon und spä­ter nach Gre­no­ble gebracht.

Einquartierung von Soldaten

1798 den 8. April kamen Sol­da­ten hier ins Quar­tier. Fuß­gän­ger vom (k.k.) Regi­ment Bre­chen­vil­le. Es war eben Oster­sonn­tag, der Got­tes­dienst wur­de um 7 Uhr gehal­ten und um 1/ 2 10 Uhr vor­mit­tags, lang­ten sie hier an. Sie blie­ben bis zum letz­ten April, an wel­chem Tag sie nach Vor­arl­berg abmar­schier­ten. Der Ober­leut­nant hieß Herr von Herbst, der Fähn­rich Graf von Calan­dri, ein Nie­der­län­der. Hier­auf folg­ten gleich wie­der Sol­da­ten vom Land-Regi­ment und blie­ben bis 29. Juli 1799.

*General Bernadote

1798 den 13ten April nachts ereig­ne­te sich zu Wien fol­gen­des: Ber­na­dot, der fran­zö­si­sche Gesand­te hielt Tafel. Nachts ließ er eine Fah­ne bei sei­ner Woh­nung mit roter, blau­er und grü­ner Far­be her­aus­hän­gen. Die Wie­ner dar­über in Wut gera­ten, schlu­gen in der Woh­nung des Gesand­ten alle Fens­ter ein, rißen die Fah­ne her­ab, ver­brann­te sel­be und ruf­ten: Es lebe der Kai­ser Franz! Die Patroul­li­en setz­ten alles wie­der in Ord­nung, doch zween Tage her­nach reis­te der Gesand­te von Wien hin­weg. Man weiß nicht, aus wel­cher Ver­an­las­sung Ber­na­do­te dies getan habe. Die­se Sache zog kei­ne beson­de­re Fol­ge nach sich. Ber­na­do­te wur­de – wie­der in Frank­reich – Gene­ral.

Manöver auf der Milser Heide

1798 den 21. Juli mach­ten abends hier auf dem Aichat nahe bei dem Wei­ßen­bach-Steg das Regi­ment zu Fuß Neu­ge­bau­er die von Gene­ral Mack­nen erfun­de­nen Manö­ver. Es wur­den Schan­zen auf­ge­macht und ver­schie­de­ne feind­li­che Atta­quen vor­ge­stellt. Auch war ein Esca­dron Dra­go­ner anwe­send. Zuge­gen waren S. könig­li­che Hoheit die Erz­her­zo­gin Eli­sa­beth, Gene­ral Neu­ge­bau­er, Gene­ral Nobi­li und ande­re sehr vie­le Stan­des­per­so­nen von Inns­bruck. Es wur­den Feld­ge­zel­te auf­ge­schla­gen. Auch tür­ki­sche Musik war dabei. Es ging alles in schöns­ter Ord­nung. Das Ende war abends um 9 Uhr. Vie­le tau­send Zuschau­er fan­den sich ein. Die­ses Jahr war in allen Stü­cken ein geseg­ne­tes, frucht­ba­res und gesun­des Jahr, um Weih­nach­ten wüte­te eine außer­or­dent­li­che Käl­te durch sechs Tage.

Ende des Ritterstaates Malta

1798 In die­sem Jahr hat Gene­ral Bona­par­te am 12. Juni Mal­ta ein­ge­nom­men. Ordens­meis­ter war Baron Hom­betsch, ein Deut­scher, der sich tap­fer hielt, aber die fran­zö­si­schen und spa­ni­schen Rit­ter nah­men die Fran­zo­sen mit Freu­den auf und sag­ten, dass sie mit Tür­ken aber nicht mit Fran­zo­sen kämp­fen müs­sen. Dar­auf fuh­ren die Fran­zo­sen nach Alex­an­dri­en und nah­men die­se Stadt ein, eben­so Kai­ro. Indes­sen kam der eng­li­sche Admi­ral Nel­son und zer­stör­te die fran­zö­si­schen Schif­fe bei Alex­an­dri­en. Auch kün­dig­ten die Tür­ken den Fran­zo­sen den Krieg an.

Zwei Ausrückung ins Engadin

1799 den 1. März fin­gen die Fran­zo­sen wie­der die Kriegs­ope­ra­tio­nen an, gin­gen über den Rhein bei Mann­heim und bei Sar­g­anz, bemäch­tig­ten sich des Grau­bünd­ner Lan­des und rück­ten nach Tyrol durch das Enga­din. Am 19. März muss­ten die Schüt­zen wie­der aus­rü­cken. Mils muß­te 8 Mann und 5 ledi­ge Salz­berg­ar­bei­ter stel­len, die nach dem Los gewählt wur­den. Dies­mal traf es Peter Schmied­lech­ner, Johann Plank, Niko­laus Wöl­f­le, Josef Hop­pich­ler, Grien­eg­ger, der obe­re Tschugg, Judas Thad­dä­us Oba­cher und Tho­mas Schmid­lech­ner; ledi­ge Salz­ber­ger waren Kas­par Keß­ler, Jakob Tschugg, Mar­tin Mayr und Lorenz Mayr. Am 26. März wur­de an allen Orten Sturm geschla­gen und die Mann­schaf­ten muss­ten aus­rü­cken. Am 25. März bra­chen die Fran­zo­sen bei Mar­tins­bruck ein, plün­der­ten Nau­ders rein aus, kamen über S. Maria in den Vint­sch­gau, ver­brann­ten Glurns, Mals und Schlu­derns. Sie trie­ben schreck­li­chen Mut­wil­len. Der Pfar­rer von Schlu­derns und der Bene­fi­zi­at in Glurns wur­den erschos­sen. End­lich am 31. März wur­den die Fran­zo­sen wie­der mit star­kem Ver­lust aus Tyrol hin­aus­ge­jagt. Die Mann­schaft des Land­stur­mes zog wie­der nach Hau­se. Die Schüt­zen aber muss­ten bei Mat­rins­bruck blei­ben (erat audire mise­ri­am). Man schick­te die­sen Unglück­li­chen von allen Gerich­ten Nah­rung, Brot, Mehl, Fleisch etc.

1799 mach­ten unse­re Kriegs­völ­ker sehr glück­li­chen Waf­fen­fort­gang, beson­ders im Welsch­land, denn Mai­land, Ales­sandria, Turin, Dor­to­na, Man­tua und meh­re­re Fes­tun­gen wur­den erobert. Die Gene­ra­le Melas, Krag und der rus­si­sche Gene­ral Suwa­row wur­den sehr gerühmt. In der Schweiz drang man bis Zürich vor, wo Erz­her­zog Karl stand. Man befürch­te­te, daß die Fran­zo­sen die Fes­tung Phil­ipps­burg erobern woll­ten, daher zog Erz­her­zog Karl an den Rhein hin­ab, Gene­ral Hot­ze, ein Schwei­zer, blieb noch mit einem ansehn­li­chen Korps bei Zürich, auch stie­ßen die Rus­sen von Welsch­land zu ihm. Am 25. Sep­tem­ber wur­de der tap­fe­re Gene­ral Hot­ze bei dem Reco­gnos­zie­ren von den Fran­zo­sen erschos­sen. Die Fran­zo­sen grif­fen dar­auf an und jag­ten die Rus­sen bis Kon­stanz und Feld­kirch, sodaß sie wie­der die gan­ze Schweiz erober­ten. Dabei näher­ten sie sich wie­der Tyrol. Des­halb muß­ten am 24. Okto­ber wie­der eine Kom­pa­nie Schüt­zen von Hall und dem Gericht Thaur aus­zie­hen. Mils muß­te 5 Mann stel­len, die Gemein­de gab zudem 25 fl Zula­ge und warb freie an. Sie hiel­ten sich die gan­ze Zeit im Enga­din auf, hat­ten aber ruhi­ge Tage. Bei Maren­go gewan­nen die Fran­zo­sen wie­der ganz Welsch­land.

Tod des Papstes

1799 den 19. August starb sei­ne Hei­lig­keit Pius VI, nach­dem der­sel­be in so vie­len Drang­sa­len über 24 Jah­re die Kir­che Got­tes regiert hat­te. Er starb zu Valence in Frank­reich, wohin der­sel­be von den Fran­zo­sen geführt wor­den. Der ent­seel­te Leich­nam wur­de in dem Kel­ler jenes Hau­ses begra­ben, in dem S. päpst­li­che Hei­lig­keit gestor­ben. Zu Inns­bruck, Hall, Thaur, Absam, Mils wur­de am 26., 27. und 28. Jän­ner 1800 jeden Tag eine gan­ze Stun­de lang Schidung geläu­tet mit allen Glo­cken, dar­auf mit Vigil und See­len­amt der Got­tes­dienst abge­hal­ten.

Aus­rü­ckung nach Feld­kirch

1800 den 20. März rück­te wie­der eine Kom­pa­nie Schüt­zen aus dem Gericht Thaur und Ret­ten­berg gegen Feld­kirch. Man warb die Schüt­zen frei an und jedem wur­den vom Gericht aus eine Zula­ge von 30 fl gege­ben. Haupt­mann war Herr Rut­ner, Schrei­ber zu Thaur.

.…

Österr. Militär auf der Milser Heide

1800 24. Juli kam Mili­tär in das unte­re und obe­re Aichat und schlu­gen Lager: Die Reser­ve-Artil­le­rie, das Dra­go­ner-Regi­ment Wenzl-Col­lo­re­do, das Dra­go­ner-Regi­ment Mode­na, drei Esca­dron Anpach-Curas­sier, die Infan­te­rie-Regi­men­ter Kau­niz, Ben­der und Kai­ser. Alle Zäu­ne wur­den ver­brannt, obschon man ihnen Holz vom Salz­amt in Hall zuführ­te. Die Fel­der wur­den schreck­lich ver­wüs­tet. Sie blie­ben bis zum 10. Sep­tem­ber 1800.

Ausrückung nach Scharnitz, Franzosen in Mils

1800 den 2. Novem­ber rück­te aber­mals eine Kom­pa­gnie Schüt­zen vom Gericht Thaur in die Schar­nitz, Haupt­mann war Herr Döger Bad­meis­ter zu Gam­pas oder Hl. Kreuz. Am 2. Dezem­ber fing der Krieg an, der­sel­be ging übel, nicht zwar in Tyrol, denn hier wur­de der Angriff gemacht, aber bei Hohen­lin­den in Bay­ern, bei Vögels­brück und Stei­er in Ober­ös­ter­reich sieg­ten die Fran­zo­sen. Am 25. Dezem­ber wur­de Waf­fen­still­stand gemacht. Tyrol wur­de vom Kai­ser den Fran­zo­sen bis zum Frie­den als Pfand über­ge­ben und am 2. Jänner1801 kamen die Fran­zo­sen nach Mils, Hall und Absam und hiel­ten Rast­tag. Dem gemei­nen Mann muß­te man täg­lich geben ein Seidl Brannt­wein, eine Maß Bier, 2 Pfund wei­ßes Brot, andert­halb Pfund gutes Fleisch, den Her­ren Offi­zie­ren muß­te man geben, was sie woll­ten. Salz­burg wur­de ganz fran­zö­sisch wie Bay­ern.

1801 den 10. Febru­ar wur­de zu Lune­vil­le end­lich der so lan­ge erwünsch­te Frie­de geschlos­sen. Die Fran­zo­sen, wel­che sich sehr gut auf­führ­ten, räum­ten am Oster­mon­tag das Land Tyrol.

1801 den 25. Jän­ner um 1 Uhr früh war ein klei­nes Erd­be­ben, wel­ches Gott sei Dank ohne Scha­den abging.

1804 wur­de Napo­le­on Bona­par­te, wel­cher bis­her ers­ter Kon­sul der Repu­blik war, am 18. Mai zum Kai­ser von Frank­reich erklärt und zwar erb­lich auf sein Geschlecht. Er nahm die Wür­de auch an.

1804 am 16. Sep­tem­ber wur­de S. Majes­tät Franz II. Röm. Kai­ser als Franz I. Kai­ser von Öster­reich mit gro­ßer Fei­er­lich­keit aus­ge­ru­fen.

.…

Neuerliche Ausrückung nach Scharnitz

1805 wur­de der Krieg mit den Fran­zo­sen erneu­ert. Am 13. Okto­ber abends 6 Uhr wur­de hier (in Mils) Sturm geschla­gen. Die Fran­zo­sen waren zu Mit­ten­wald in Bay­ern, die Mann­schaft muß­te nach Schar­nitz abmar­schie­ren, aber lei­der am 5. Novem­ber kamen die Fran­zo­sen durch Schar­nitz her­ein, denn der Land­sturm wur­de das zwei­te Mal nach Hau­se geschickt. Wel­ches Elend und wel­cher Scha­den hie­durch geschah, kann nie­mand begrei­fen und wird noch mein hochw. Nach­fol­ger emp­fin­den.

1808 muß­ten alle Stift- und Schuld­brie­fe von den Kir­chen nach Schwaz über­lie­fert wer­den dem Herrn Josef Kraft , geist­li­cher Admi­nis­tra­tor. Sein Haus brann­te 1809 ab und dabei gin­gen auch die meis­ten Brie­fe zugrun­de. Die Stifts­brie­fe von Mils kamen zum Land­ge­richt Hall.

Bayerische Truppen in Mils

1809 wur­de das Dorf Mils schreck­lich her­ge­nom­men von den baye­ri­schen Trup­pen. Den 15. und 16. Mai wur­de von ihnen Schwaz und Vomp abge­brannt. Sie kamen hier­her, raub­ten, was sie konn­ten, auch muß­te man ihnen zu essen und zu trin­ken geben, was sie ver­lang­ten. Der Pfarr­wi­dum wur­de zwei­mal ganz aus­ge­plün­dert. Die Fens­ter, Käs­ten, Öfen: alles zer­schla­gen. Den 25. Okto­ber wur­de alles Heu und Korn weg­ge­nom­men, alle Zäu­ne ver­brannt.

Gemeiner Mord durch Bayerische Soldaten

1809 den 29. Mai ist auf dem Mil­ser Feld bei dem stei­ner­nen Kreuz am Kreuz­bichl umge­bracht wor­den die ehr­sa­me und tugend­rei­che Jung­frau Anna Aich­ber­ge­rin, 67 Jah­re alt. Die Per­son war blöd­sin­nig, ging um Besen­rei­ser über die Vol­de­rer Brü­cke und wur­de am Rück­weg von baye­ri­schen Sol­da­ten auf eine grau­sa­me Art ermor­det und nahe bei dem Kreuz­bichl halb­wegs in einem Acker begra­ben. Die baye­ri­schen Sol­da­ten sag­ten her­nach, die besag­te Per­son habe eine Spio­nin gemacht. (risum tene­a­tis omnes: dar­über kön­nen nur alle lachen) Sie ist aber ordent­lich all­hie begra­ben wor­den. Sie war fromm und tugend­haft.

Weiterer Mord durch Bayerische Soldaten

1809 den 20. Mai ist durch Unglück auf der Vol­der­er­brü­cke erschos­sen wor­den der ehr­ge­ach­te­te Josef Ölha­fen, Bau­ers­mann all­hie und Salz­berg­ar­bei­ter, 56 Jah­re alt. Die Erschie­ßung geschah von den baye­ri­schen Fuhr­we­sen-Sol­da­ten – tem­po­re male­dic­to insur­rec­tio­n­is – . Er war geflis­sent­lich erschos­sen mala sat descri­be­re non pos­sum, quae nos in Mils hoc tem­po­re per­pes­si sumus. Unmög­lch kann ich all das Schlim­me beschrei­ben, was wir zu der Zeit in Mils zu lei­den hat­ten.

Dritter Mord durch Bayerische Soldaten

1809 den 1. Sep­tem­ber ist an einer Schuß­wun­de nach emp­fan­ge­nen hl. Sakra­men­ten gestor­ben der ehr­sa­me und züch­ti­ge Jung­ge­sell Kas­par Trindl, Pfann­haus­ar­bei­ter. Er wur­de am 15. August , als die Bay­ern reti­rier­ten (sich zurück­zo­gen) beim Dor­fe Weer durch die Lun­ge geschos­sen, wur­de nach Mils getra­gen, konn­te aber unge­ach­tet allen Flei­ßes nicht mehr kuriert wer­den. Er hat­te dabei einen ganz beson­de­ren Hus­ten: requies­cat in pace.

Berg Isel Schlachten

1809 den 11. April ist der Auf­stand gegen die Bay­ern in Tyrol ent­stan­den. Den 14. April wur­den alle baye­ri­schen Sol­da­ten ent­waff­net, die Kaval­le­rie der Pfer­de beraubt und sämmt­li­che aus Tyrol hin­aus­ge­jagt. Das Haupt­tref­fen war am Berg Isel und auf den Wil­te­ner Fel­dern. Man läu­te­te öfter an allen Orten Sturm. Die­ser wich­ti­ge Actus ging sehr glück­lich von­stat­ten.

1809 im May kamen die Bay­ern zurück, zün­de­ten lei­der meh­re­re Örter an. Den 15. May wur­de Schwaz und Vomp abge­brannt. Der Haupt­an­fü­her der baye­ri­schen Armee war Gene­ral Wre­de, von fran­zö­si­scher Sei­te Lefeb­re, Her­zog von Dan­zig. Sie zogen bis hin­ter Ster­zing, wur­den aber von den Bau­ern schreck­lich emp­fan­gen und gezwun­gen mit star­kem Ver­lust wie­der abzu­zie­hen. Aber Mils war mit Schre­cken erfüllt.

1809 den 1. Juli kamen sie wie­der ver­stärkt zurück, ver­lo­ren aber beson­ders am Berg Isel sehr viel Volk. Den 15. August muß­ten sie wie­der mit Schan­de und Spott in der Nacht abzie­hen. Man ver­folg­te sie auf allen Sei­ten. Hier­her kamen sie in der Frü­he um 4 Uhr, alles lief nach. Hier aber wur­de man bei ihrem ers­ten und zwei­ten Ein­fall schreck­bar her­ge­nom­men.

Bayern wüten in Mils

1809 im Okto­ber kamen wie wider zurück. Von Kärn­ten über Pus­ter­tal kamen zugleich die Fran­zo­sen. Die Bay­ern brann­ten sehr vie­le Häu­ser um Inns­bruck und Wil­ten her­um nie­der. Die Fran­zo­sen taten der­glei­chen im Pus­ter­tal. Hier in Mils wur­de alles aus­ge­raubt und zer­schla­gen. Im Pfarr­wi­dum wur­den die Öfen und Fens­ter zer­schla­gen. Alles Heu, Gru­met, Getrei­de, Stroh, Küchen­ge­schirr hin­weg genom­men, die Käs­ten zer­schla­gen. Kurz gar alles wur­de zugrun­de gerich­tet, denn 12 Tage lang hat­ten die Bay­ern zwei Lager. Kurz es war schreck­bar, was man in Mils lei­den muß­te, sogar alle Bie­nen wur­den umge­bracht. Bei allen die­sen drei Ein­fäl­len der Bay­ern lie­fen die meis­ten Leu­te von Mils dem Wal­de zu und blie­ben und koch­ten dort unter auf­ge­mach­ten Tax­hüt­ten. Es war trau­rig. Es ist sogar eine Frau mit Namen Eli­sa­beth Judin ver­ehe­lich­te Kranaue­rin in der Voglhüt­te im soge­nann­ten Mayr­wald in die Kind­bet­te gekom­men. Ich habe auch das Kind in besag­ter Voglhüt­te getauft. Es heißt Johann Nepo­muk Kranau­er. Dem Pfar­rer wur­de alles Heu, Gru­met, Haber, Gers­te, Wei­zen, Rog­gen und Tür­ken mit Gewalt hin­weg genom­men.

*Kriegskomet

1811 erschien ein Komet. Man sah ihn in hie­si­ger Gegend das ers­te Mal den 25. May im gro­ßen Bären. Man sah ihn immer die Lage ver­än­dern. Den 28. August war er im Gestirn des klei­nen Löwen, man sah ihn sehr schön mit frei­em Auge. Sein über­aus lan­ger Schweif war all­zeit wider die Son­ne gerich­tet. Man behaup­te­te, es sei der Komet, wel­cher 1301 gese­hen wur­de. Ja man behaup­te­te, er dürf­te anno 2321 wie­der erschei­nen. Im Novem­ber erschien er abends um 6 Uhr nahe an der Milch­stra­ße. Sein Kreis­lauf war eine Ellyp­se, deren gro­ße Axe 127,6, die klei­ne 22,8 betrug.

Militärdurchzug

1812 zogen bei 10.000 Mann Fran­zo­sen durch Tyrol, sowohl Rei­ter, Fuß­gän­ger und Kano­nie­re. Man muß­te alle umsonst ver­pfle­gen. Sie kamen von Welsch­land. Der Durch­zug geschah im Monat März. *In die­sem Jahr führ­te Napo­le­on Krieg mit Ruß­land.

Der Milser Johann Aichberger fällt bei der Schlacht bei Hanau

1813 den 20. Okto­ber wur­de in der Schlacht bei Hanau durch eine feind­li­che Mus­ke­ten­ku­gel töt­lich ver­wun­det der ehr­sa­me und züch­ti­ge Jung­ge­sell und wirk­li­cher Kor­po­ral bei den königl. baye­ri­schen Regi­ment zu Fuß Her­zog Wil­helm Johann Aich­ber­ger im Bun­de der Ehe erzeug­ter Sohn des ehr­ge­ach­te­ten Johann Aich­ber­ger, Bau­ers­mann und Salz­berg­ar­bei­ter all­hie und sei­ner Ehe­wir­tin Ursu­la Fan­k­hau­se­rin. Er war über­aus schön gewach­se­ner und gestal­te­ter Jüng­ling von treff­li­cher Auf­füh­rung. Bevor er durch das Los zum Sol­da­ten gewählt wur­de, war er Salz­berg­ar­bei­ter. Im Sol­da­ten­stand zeig­te er sich über­aus geschickt. Er hat­te die loben­wür­digs­te Auf­füh­rung , war von allen Offi­zie­ren über­aus geliebt und hoch­ge­schätzt. Des­we­gen wur­de er auch gar bald Kor­po­ral. Ja er wür­de sei Glück wei­ter gemacht haben, wenn ihm der all­mäch­ti­ge Gott sein Leben ver­län­gert hät­te. Er starb den Ehren­tod der Hel­den als ein Opfer für sein Vater­land. Den 20. Novem­ber wur­den für ihn all­hier die Toten-Got­tes­diens­te mit all­ge­mei­ner höchs­ter Bedau­erung gehal­ten. In sei­nem Kna­ben­al­ter war er hier durch 6 vol­le Jah­re Minis­trant und zeig­te schon da beson­de­re Geschick­lich­keit. Nunc requies­cat in sanc­tu pace pul­che­ris­si­mus in facie Dei.

*Heldentod im Freiheitskrieg

Laut dem Bericht vom 28ten Febru­ar 1814 starb zu Basel im Spi­tal nach erhal­te­ner Schuß­ver­let­zung aus der Ves­tung Groß Hüni­gen der ehr­sa­me und züch­ti­ge Jung­ge­sell und könig­lich baye­ri­sche Sol­dat Josef Weinold, Sohn des Franz Weinold. Er starb den 1ten Febru­ar 1814. Es kam das Ner­ven­fie­ber dazu, da er wegen der Wun­de bereits geheilt war.

*Sturz und Verbannung Napoleons

1814 den 31ten März wur­de eigent­lich Paris den Alli­ier­ten Mäch­ten über­ge­ben und ist der Tyrann Bona­par­te (ehe­mals Kai­ser in Frank­reich unter dem Namen Napo­le­on der Gro­ße), durch wel­chen ganz Teu­sch­land ver­heert war, vom Thron her­ab gestür­zet wor­den. Er wur­de nach der klei­nen Insel Elba von den Eng­län­dern gefüh­ret.

Der Papst wieder in Rom

1814 Am 24. Mai unge­fähr um 3 Uhr hat der hl. Vater Pius VII. wie­der­um unter tau­send­fäl­ti­gem Jubel und beschreib­li­cher Freu­de des gan­zen christ­li­chen Erd­krei­ses die Stadt Rom betre­ten. Vier vol­le Jah­re wur­de er vom gott­lo­sen Tyrann Napo­le­on Bona­par­te, dem Usur­pa­tor Frank­reichs auf der Burg Fon­ten­bleau gefan­gen gehal­ten. Napo­le­on hat­te – es ist ein Fre­vel, dies zu sagen – den hl. Vater Pius VII. bei sei­nen ehr­wür­di­gen Haa­ren ruch­los nie­der­ge­ris­sen und zu Boden geschla­gen. Jedoch dies alles und noch ande­re Belei­di­gun­gen ertrug der­sel­be mit unbe­sieg­ba­rer Fes­tig­keit und uner­schüt­ter­li­cher Geduld als ein wür­di­ger Stell­ver­tre­ter Chris­ti. All­ge­mein wur­de aner­kannt, dass des­sen Befrei­ung vom Gefäng­nis das Werk der ein­zi­gen und wun­der­ba­ren gött­li­chen Vor­se­hung sei.

Tirol wieder frei

1814 am 26. Juli wur­den in allen Kir­chen Dank­got­tes­diens­te mit unbe­schreib­li­cher Fei­er­lich­keit und unge­mein gro­ßem Zulauf der Bevöl­ke­rung gehal­ten, weil Tirol vom uner­träg­li­chem Baye­ri­schen Joche befreit und dem durch­lauch­tigs­tem Hau­se Öster­reich zurück­ge­ge­ben wor­den war. Am Abend sah man beson­ders in den Städ­ten Inns­bruck und Hall groß­ar­tig pracht­vol­le Feu­er­wer­ke. Ja der gan­ze Berg Isel bei Inns­bruck, wo frü­her eben die Baye­ri­schen Sol­da­ten besiegt wur­den, schien zu bren­nen. Jedes Haus wur­de mit vie­len Ker­zen­lich­tern beleuch­tet wegen der all­ge­mei­nen Freu­de. Fast über­all hat man Dank­pro­zes­sio­nen abge­hal­ten.

1815 See­len­zahl in Mils: 531, männ­li­che: 251, weib­li­che: 280.

Bear­bei­tung: Dr. Krü­pl

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

10 + 17 =

Das Kommentar muss vor Veröffentlichung von der Redaktion freigegeben werden.

Schriftgröße
Kontrast
Scroll to Top