Robert Oberhofer

Robert Oberhofer
Robert Ober­ho­fer

Roberts Leben ist auf das Engs­te mit der Geschich­te des „Land­ho­tel Reschen­hof“ (vor­mals Gast­hof Mil­ser­brü­cke) ver­knüpft, und bei sei­nen Erzäh­lun­gen wer­den Erin­ne­run­gen an Chris­toph W. Bau­ers Roman „Im Alpha­bet der Häu­ser“ wach, in dem Men­schen und Häu­ser zu einer Orts­ge­schich­te ver­schmel­zen und Häu­ser zu Büchern wer­den, in denen das Fer­ne nahe rückt. Und auch die Geschich­te des Gast­ho­fes und der „Gast­wir­te-Dynas­tie“ Ober­ho­fer ist fest ver­wo­ben mit der Geschich­te von Mils.

Es war eine gänz­lich ande­re Zeit, als Groß­va­ter Boni­faz Ober­ho­fer von Mer­an­sen nach Tul­fes zog, um  als Knecht zu arbei­ten und 1894 in Mils das Bau­ern­haus „beim Lack“ kauf­te und dort der ers­te Sohn Josef das Licht der Welt erblick­te (1900). Nach einem kur­zen Inter­mez­zo in Schwaz erwarb man 1905 den Bau­ern­hof „beim Resch“ in Mils (Bru­der Franz schuf weni­ge Meter wei­ter den Grund­stock der „Auto­dy­nas­tie“ Ober­ho­fer).

Schon im Alter von 16 Jah­ren wur­de Josef für die Teil­nah­me am 1. Welt­krieg rekru­tiert, war mit Tief­entha­ler Hansl am Mon­te Pasub­io, kam in ita­lie­ni­sche Gefan­gen­schaft, wo ihm auf­grund sei­ner Ehr­lich­keit bald die Auf­sicht über das Maga­zin der dor­ti­gen ital. Ein­heit über­tra­gen wur­de.

Nach sei­ner Heim­kehr brach­te er sein Talent als „Bast­ler“ immer mehr zur Ent­fal­tung: Eine eige­ne Feld­schmie­de und Haus­tisch­le­rei wur­de ein­ge­rich­tet (heu­te noch exis­tie­ren Fens­ter aus sei­ner Hand im Haus und auch bei der  im moder­nen Gebäu­de inte­grier­ten „Bau­ern­stu­ben“  hat­te er selbst Hand ange­legt). 1935 hei­ra­te­te er Mari­an­ne Wech­sel­ber­ger, Robert kam 1944 als fünf­tes Kind, als „Nach­züg­ler“ zur Welt. Der durch sei­ne Beson­nen­heit und  sein ruhi­ges, umgäng­li­ches Wesen geschätz­te „Seppl“ wur­de nach dem 2. Welt­krieg Bür­ger­meis­ter (1947−1950), wobei er den  Groß­teil der Amts­ge­schäf­te in der Bau­ern­stu­be erle­dig­te.

v.l.: Marianne, Sepp, Notburga, Bonifaz Oberhofer
v.l.: Mari­an­ne, Sepp, Not­bur­ga, Boni­faz Ober­ho­fer

Und die­se Bau­ern­stu­be war dann auch das Fun­da­ment des 1955 begon­nen Gast­be­trie­bes, als man erkann­te, dass mit „Kost­ge­hern“ (zunächst Ver­trie­be­ne, dann Arbei­ter aus Hal­ler Indus­trie­be­trie­ben) eine zusätz­li­che Ein­nah­me­quel­le erschlos­sen wer­den kann. Der Name „Mil­ser­brü­cke“ wur­de von der dama­li­gen Bus­hal­te­stel­le an der Abzwei­gung nach Mils abge­lei­tet.  Suk­zes­si­ve wur­de das Gebäu­de den Bedürf­nis­sen eines Gast­be­trie­bes ange­passt, so wur­de 1957/58 ein Teil des Stal­les in einen klei­nen Spei­se­saal umge­baut (wäh­rend des Umbaus war das Vieh im Schal­ler­haus, dem heu­ti­gen Gemein­de­zen­trum, unter­ge­bracht. Nach die­sem Umbau wur­de die Land­wirt­schaft auf Schwei­ne und Geflü­gel redu­ziert, bis sie 1964 ganz auf­ge­las­sen wur­de).

In der Fol­ge war es Robert, der Jüngs­te, der das Heft immer mehr in die Hand nahm. Mit der Absol­vie­rung einer  Pri­vat-Han­dels­schu­le in Inns­bruck, einer Koch­leh­re im renom­mier­ten Restau­rant Dele­vo sowie mit  Aus­hilfs­diens­ten für sei­ne Mut­ter Mari­an­ne (die sich in Küche, Wasch­kü­che und Gäs­te­zim­mern abmühte)hatte er  geeig­ne­te Vor­aus­set­zung für ein stär­ke­res Enga­ge­ment im Betrieb geschaf­fen. Schon 1964 stell­te er sei­ne Eltern nach deren Rück­kehr vom Urlaub (den sie erst­mals ange­tre­ten hat­ten!!) vor die Tat­sa­che, dass ein neu­er Park­platz die Stel­le der frü­he­ren Werk­statt, der Mist­statt und eines Schup­fens ein­nahm.

1967 hei­ra­te­te er Rita Gru­ber – fünf Kin­der soll­ten aus die­ser Ehe her­vor­ge­hen. Bis 1969 wur­de der frü­he­re Sta­del voll­stän­dig umge­baut, die neu­en 9 Dop­pel­zim­mer waren erst­mals mit Dusche und WC aus­ge­stat­tet – die ers­ten in der Regi­on.

Schon bald soll­te sich her­aus­kris­tal­li­sie­ren, was den Robert wäh­rend sei­ner Unter­neh­mer­tä­tig­keit aus­zeich­nen soll­te:  sei­ne Bereit­schaft und sein Mut, auf wirt­schaft­li­che und gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen zu reagie­ren und neue Wege ein­zu­schla­gen. Dabei sind Irr­tü­mer natür­lich nicht aus­zu­schlie­ßen, aber die Fami­lie stand auch bei einem „Blöd­sinn“ hin­ter ihm, wie er selbst ein­räumt.

In größ­te Schwie­rig­kei­ten kam er beim Aus­bau des Spei­se­saa­les (mit exklu­si­ver Holz­de­cke), als ein Teil des not­wen­di­gen Kre­dit­vo­lu­mens nicht aus­be­zahlt wur­de. Mit den Ein­nah­men aus gut besuch­ten Tanz­ver­an­stal­tun­gen (ins­bes. mit dem „Mün­zer­turm Echo“ und dem „Quin­tett Inter­mez­zo“) konn­te er sich über Was­ser hal­ten und sich in der Fol­ge in den „gol­de­nen 70er Jah­ren“ kon­so­li­die­ren.

Landhotel Reschenhof
Land­ho­tel Reschen­hof

Wei­te­re Umbau­ten (der größ­te 1994 mit Erwei­te­rung auf 4 Stock­wer­ke und 78 Zim­mer) waren teils tech­ni­schen Not­wen­dig­kei­ten (neue Küche 1981, moder­ne Wasch­kü­che 1984) geschul­det, vor allem aber Reak­tio­nen auf rasch sich ändern­des Kli­en­tel: Auf Fern­fah­rer folg­ten Bus­tou­ris­ten, auf die­se Han­dels­rei­sen­de und als auch die­se weni­ger wur­den, wur­de der Spei­se­saal zu Semi­nar­räu­men umge­stal­tet und so stel­len heu­te Semi­na­re die wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le dar. Das kuli­na­ri­sche Ange­bot wur­de durch eine Piz­ze­ria erwei­tert.

Auch  der angren­zen­de Zelt­platz war lan­ge Zeit ein wich­ti­ges Stand­bein für den Betrieb, die Ent­wick­lung zu Fern­rei­sen mit Wohn­wä­gen oder Wohn­mo­bi­len lie­ßen die Bele­gung schrump­fen, so dass auch ein Teil die­ses Are­als in einen Park­platz umge­wan­delt wur­de.

Mit  dem Umbau 1994 wur­de auch die Namens­än­de­rung auf „Land­ho­tel Reschen­hof“ (Kate­go­rie 4 Ster­ne) voll­zo­gen. 2002 wur­de die Geschäfts­füh­rung an Roberts Sohn Gün­ter über­tra­gen, mit der Pacht des „Engel“ und des Park­ho­tels (mit Toch­ter Bet­ti­na als Geschäfts­füh­re­rin) in Hall wur­de das gas­tro­no­mi­sche Sor­ti­ment ver­grö­ßert.

Es hät­te aber weder Roberts Cha­rak­ter noch sei­nen Lebens­er­fah­run­gen ent­spro­chen, hät­te er sich nach der Über­ga­be kom­plett aus allem zurück­ge­zo­gen. Mit viel Élan bau­te er eine Edel­de­stil­le­rie auf, sei­ne Spi­ri­tuo­sen konn­ten meh­re­re inter­na­tio­na­le Prei­se errin­gen. Als Grund­la­ge dafür begann er sogar mit  einem eige­nen Obst­bau öst­lich des Gewer­be­parks. Für sei­ne Ver­diens­te wur­de ihm 2011 das gol­de­ne Ehren­zei­chen der Gemein­de Mils ver­lie­hen.

Ein immer noch agi­ler Mann also, der in kei­nen Jam­mer­ton ver­fällt, wenn es um die heu­ti­gen wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gen geht, obwohl er anmerkt, dass es die Jun­gen heu­te schwe­rer haben, weil Kon­kur­renz und Abga­ben­be­las­tun­gen enorm gestie­gen sind.

Und so sieht man sich  einem Mann gegen­über, dem man sei­ne fast 70 Jah­re kei­nes­wegs zutrau­en wür­de. Sein Han­deln wirkt unan­ge­strengt und jugend­lich frisch, er scheint sich mit sei­nem ver­schmitz­ten, ja etwas laus­bü­bi­schen Lächeln ein Stück Jugend bewahrt zu haben.

Quel­le: Dorf­blatt 03 2014
Josef Wald­ner 5.3.2014

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