Josef Garber

Josef Garber
Josef Gar­ber

Der Mann ist ein Phä­no­men, ein wirk­li­ches Ori­gi­nal – wer kennt schon einen, der mit 77 Jah­ren noch täg­lich in sei­nem Laden steht, bes­ser: sich auf die Kund­schaft mit jugend­li­chem Lächeln zube­wegt, das Gefühl ver­mit­telnd, dass ein Ein­kauf bei ihm mehr ist als eine läs­ti­ge Ver­pflich­tung, die has­tig und freud­los erle­digt wer­den muss. Beim „Möß­mer“, gegen­über dem Schal­ler­haus, wuchs er mit Bru­der Hans und Schwes­ter Olga auf. Sein Vater betrieb als Päch­ter die klei­ne Land­wirt­schaft (als sol­cher erhielt er damals nicht mal eine Ren­te, die Mut­ter sorg­te mit einer Blin­den­ren­te für ein klei­nes Fixum). Mit­hil­fe am Bau­ern­hof war für die Kin­der daher eine Selbst­ver­ständ­lich­keit.

Nach dem Besuch der Haupt­schu­le (die durf­te er besu­chen, weil sein Vater „nur“ Päch­ter, nicht Bau­er war) begann er eine kauf­män­ni­sche Leh­re, die in eine Anstel­lung bei der Renom­mier­fir­ma Juli­us Meindl mün­de­te, wo „Bitt­schön, der Herr! Küss die Hand, gnä’ Frau!“ Gepflo­gen­hei­ten waren und jeder Ver­käu­fer mit dunk­ler Hose, blü­ten­wei­ßem Hemd und Flie­ge die Kun­den bedien­te. Der­art geschult, griff er kurz­ent­schlos­sen zu, als in der Rosen­gas­se ein Geschäft zum Kauf ange­bo­ten wur­de und avan­cier­te mit 22 Jah­ren zum damals jüngs­ten selb­stän­di­gen Kauf­mann Tirols, der erst mit einer Son­der­prü­fung die Gewer­be­be­rech­ti­gung erwer­ben muss­te. Er hei­ra­te­te und zog nach Hall.

Schnel­lig­keit bewies er auch als Fuß­bal­ler beim SV Hall (mit den Mil­sern Hans Arnold und Luis Ange­rer) in der damals spiel­star­ken Arl­berg­li­ga (mit einem Schnitt von über 2000 Zuschau­ern auf der Hal­ler Lend!). Ein 2:1‑Sieg über den dama­li­gen Schwei­zer Meis­ter Grashop­pers Zürich war für ihn der sport­li­che Höhe­punkt.

Und wäh­rend rings­her­um ein Lebens­mit­tel­händ­ler nach dem ande­ren zusperr­te und die Zeit der gro­ßen Dis­kon­ter anbrach, hielt sich der „Jos“ mit sei­nem 50 m²-Laden als ein­zi­ger im Hal­ler Stadt­kern. Ein Wun­der? Nicht im Geschäfts­le­ben! Neben uner­müd­li­chem Ein­satz blieb er ein Idea­list, ein Kauf­mann mit Lie­be zum Beruf. Die per­sön­li­che Kun­den­be­treu­ung, sein offe­nes Wesen, sei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit sind wei­te­re Vor­zü­ge sowie sei­ne posi­ti­ve Aus­strah­lung, die ihn übri­gens auch zu einem außer­or­dent­lich belieb­ten, ja oft uner­setz­li­chen Gast in Freun­des­krei­sen wer­den ließ. Klu­ge Geschäfts­ideen, wie Spe­zia­li­sie­run­gen (Wein, Honig, Speck) sind wei­te­re Bau­stei­ne des Erfol­ges.

Seit 34 Jah­ren wohnt er nun in sei­nem Eigen­heim in Mils. Aus dem einst jüngs­ten Lebens­mit­tel­händ­ler ist nun der wohl ältes­te gewor­den, aber im Grun­de ist er der­sel­be und sich selbst treu geblie­ben und des­halb wohl auch vie­le sei­ner Kun­den. Wenn man vom Auf­hö­ren spricht, zeigt er nur sein schel­mi­sches Lächeln und zuckt die Ach­seln…

Daten

  • Gebo­ren am 8.12.1935 in Hall i.T., auf­ge­wach­sen in Mils
  • 1960 Umzug nach Hall und Hoch­zeit mit Edda; 1 Sohn, 2 Töch­ter
  • Aus­zeich­nun­gen: Ver­dienst­me­dail­le des Lan­des Tirol, Ehren­me­dail­le der Stadt Hall, LK-Sie­ger Tirol 1988 (ent­spre­chend dem „Kauf­mann des Jah­res“)

5 Fragen

  1. Was schätzt du an dir beson­ders? Mei­ne Ver­läss­lich­keit
  2. Hast du eine Lebens­weis­heit? Posi­ti­ves Den­ken ist das Wesent­lichs­te
  3. Wor­über kannst du lachen? Über Vie­les, am liebs­ten in einer net­ten Run­de
  4. Auf wel­che eige­ne Leis­tung bist du beson­ders stolz? Dass ich heu­te noch in mei­nem Betrieb arbei­ten kann
  5. Was sagt man dir nach? Dass ich kaum Lau­nen ken­ne und in Gesell­schaft gern gese­hen bin

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