Christian Pittl: Rücktritt als Gemeinderat 2022

Eine Genera­ti­on lang Gemein­de­rat. Und immer mit Lei­den­schaft für das Dorf und sei­ne Men­schen. Chris­ti­an Pittl blickt zurück.

Ein fei­ner Holz­duft steigt sofort in die Nase, wenn man das Pittl-Haus in der Maxi­mi­li­an­stra­ße betritt. Sohn Lukas hat hier sei­ne Werk­statt, vor­her auch der Raum für sei­nen Vater, wenn er schnitz­te und zeich­ne­te. „Wir rie­chen das gar nicht mehr“, schmun­zeln Git­ta und Chris­ti­an Pittl.

Den­noch führt der ers­te Weg ins Ate­lier. Neue und alte Arbei­ten, von Vater und Sohn, die Werk­zeu­ge fein säu­ber­lich an der Wand und in vie­len Schub­la­den, ein paar Holz­spä­ne am Boden. Freu­de und Stolz sind im Gesicht des Vaters zu lesen. Er habe sei­ne Buben immer ein­ge­la­den, ihm beim Arbei­ten zur Hand zu gehen. Dass Lukas sich nun mit aller Kraft dem Beruf und dem künst­le­ri­schen Schaf­fen mit Holz ver­schrie­ben hat, erfüllt den Vater mit Hochachtung.

Fami­liä­re Holzkunst

Er selbst hat über vie­le Jahr­zehn­te hier gear­bei­tet, hat Lar­ven für Matsch­ge­rer und Mul­ler aus der gan­zen Regi­on geschnitzt, vie­les ande­re gefer­tigt, ein Jesus am Kreuz ziert noch den Raum, auch ein Spie­gel­tu­xer. „Aber wenn ich sehe, wie Lukas arbei­tet, dann weiß ich erst, was rich­ti­ges Kön­nen ist“, gibt sich Chris­ti­an Pittl beschei­den. Jetzt mache er nichts mehr, war­um, das kön­ne er gar nicht wirk­lich sagen. Viel­leicht fin­det er ja zurück, wenn er jetzt die Polit­pen­si­on antritt.

23 Jah­re lang war der Urmil­ser mit Unter­bre­chun­gen im Gemein­de­rat, 18 Jah­re davon als Gemein­de­vor­stand, zuletzt als Frak­ti­ons­füh­rer der Lis­te „Lebens­wer­tes Mils“. Die­ses lebens­werte Mils war immer sein obers­tes Leit­mo­tiv. „Von Anfang an und bis über den heu­ti­gen Tag hin­aus hat es für mich nur eine Moti­va­ti­on gege­ben“, betont Pittl. „Ich woll­te einen Bei­trag leis­ten, dass unse­re Hei­mat­ge­mein­de Mils ihren dörf­li­chen Cha­rak­ter bewahrt.“

Lebens­qua­li­tät für Mils

Sei­ne Idee war: Die Mil­se­rin­nen und Mil­ser sol­len über Mög­lich­kei­ten der Frei­zeit­ge­stal­tung, über Sport, Ver­ei­ne und Brauch­tum zu einer Gemein­schaft mit Lebens­qua­li­tät zusam­men­wach­sen kön­nen. „Mils darf nicht zum Syn­onym für exklu­si­ve Wohn­an­schrift in bes­ter Lage und anony­mem Vor­stadt­cha­rak­ter wer­den“, betont Pittl voll Leidenschaft.

Eine Lei­den­schaft, die garan­tier­te, dass er auch immer wie­der ein­mal anecken wür­de, denn ver­bie­gen ließ sich Pittl nicht. „Vie­le Ideen sind aller-dings auch unter den Tisch gefal­len, weil sie eben von fal­scher Sei­te kamen und nicht sel­ten gab es Kri­tik, Zwei­fel und man­geln­de Unter­stüt­zung in den eige­nen Rei­hen“, zieht der drei­fa­che Fami­li­en­va­ter ein Resü­mee. „Ich bin immer mei­nen Weg gegangen.“
Ein bit­te­rer Rück­blick? Kei­nes­falls, betont er, auch wenn er in der Oppo­si­ti­ons­rol­le war, woll­te er sei­nen kon­struk­ti­ven Bei­trag leis­ten. „Und es ist ein brei­tes Spek­trum, ob Orga­ni­sa­ti­on des Bau­hofs oder die Ver­kehrs­be­ru­hi­gung mit Geschwin­dig­keits­mess­ge­rä­ten, das Betreu­te Woh­nen mit neu­em Dorf­zen­trum oder die Erneue­rung der Was­ser­ver­sor­gung, bis hin zu vie­len ande­ren Pro­jek­ten“, erin­nert Pittl an vie­le Auf­ga­ben, wo er aus Über­zeu­gung dabei war.

Poli­ti­sches Vermächtnis
Sein Ver­mächt­nis: „Die Zustim­mung zu Pro­jek­ten darf nie vom Eigen­nutz oder dem Nut­zen für eine nahe­ste­hen­de Kli­en­tel moti­viert sein“, for­dert Pittl, der 1986 das ers­te Mal gemein­sam mit Fritz Tief­entha­ler auf einer AAB-Lis­te in den Gemein­de­rat ein­zog. „Kri­tik oder eine Gegen­stim­me ist nur dann gerecht­fer­tigt, wenn man sel­ber einen bes­se­ren oder zumin­dest diskussions­würdigen Vor­schlag hat.“ Somit hat­te er nicht nur die Rol­le des Zuhö­rers, son­dern auch die des Mit­ge­stal­ters. „Man hat dabei zwar die Genug­tu­ung, dass bei zahl­rei­chen Pro­jek­ten die eige­nen Ideen und Vor­schlä­ge auch umge­setzt wer­den, die­se aber wegen der Oppo­si­ti­ons­rol­le nie öffent­li­che Erwäh­nung finden.“

Chris­ti­an Pittl stellt sich den spon­ta­nen Fra­gen von MEIN MILS.

» Poli­tik heißt (nachdenk­lich): Viel Anstrengung.

» Mils bedeu­tet für mich: Hei­mat.

» Ein Stück Holz: lan­ge Zeit Weg­be­glei­ter gewesen.

» Humor: den soll­te man nie ver­lie­ren, möge kom­men, was da wolle.

» Das wer­de ich noch tun: schrei­ben, vor allem die Fort­set­zung des Fasnachtsfiebers.

» Den Men­schen will ich noch ken­nen ler­nen: Alo­is Schöpf, der Kommentator.

» Som­mer­mensch oder Win­ter­mensch: eher schon der Som­mer­mensch, bin immer ein wenig melan­cholisch, wenn es dem Win­ter zugeht.

» Mor­gen­mensch oder Nacht­eu­le (schmun­zelnd): eher schon Morgen­mensch, die Zei­ten als Nacht­vo­gel sind vorbei.

Quel­le: Mein Mils 03–22

 

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