Chronik der Musikkapelle – Auszug

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170 JAHRE

BUNDESMUSIKKAPELLE MILS 1982

 

Ein Auszug aus den Chronik-Aufzeichnungen der Musikkapelle

Anläß­lich der Hun­dert­jahr­fei­er hat Kapell­meis­ter Alo­is Posch, Bau­er beim »Suit­ner«, aus alten Schrif­ten der Musik­ka­pel­le und Infor­ma­tio­nen aus den kirch­li­chen Auf­zeich­nun­gen eine Chro­nik zusam­men­ge­stellt, wel­che bis zum heu­ti­gen Tag durch­ge­hend geführt und somit ein Stück Gemein­de­ge­schich­te beinhaltet.

Georg Lah­ar­tin­ger (vul­go Pinz­ger Geri), ein ehe­ma­li­ger Mili­tär­mu­si­ker aus dem Pinz­gau stam­mend, sie­del­te sich in Mils beim »Ober­län­der« an und grün­de­te 1812 als begeis­ter­ter Flü­gel­hor­nist in Mils eine Blas­ka­pel­le, die er bis 1844 als Kapell­meis­ter leitete.

Die von Chro­nist Posch ange­ge­be­ne Beset­zung mit:

1 Es Klarinette;

I., II., III. Kla­ri­net­te in B;

I. und U. Flü­gel­horn in B;

1 Eupho­ni­um;

1 Baß­flü­gel­horn in B;

I., II., III., IV. Trom­pe­te in Es;

I. und II. Wald­horn in Es;

I. und II. Posau­ne in B;

2 Bäs­se; 1 klei­ne Trommel;

1 gro­ße Trommel;

Cinel­len und 1 Glockenspiel

— zusam­men also 22 Mann, dürf­te sicher­lich aus einer spä­te­ren Peri­ode stam­men. Doch mit Sicher­heit waren die Mil­ser Musi­kan­ten bereits damals schon unter die Ers­ten in unse­rem Land zu rei­hen, da sich das rege Musik­le­ben in Hall befruchtend

auf unse­re Kapel­le aus­ge­wirkt haben dürf­te. Bereits 1731 spiel­te eine Pfarr­mu­sik des Damen­stif­tes in Hall mit Trom­pe­ten, Hör­nern und Obo­en neben den Streich­in­stru­men­ten auf, wobei Mil­ser Talen­te mit­ge­wirkt haben.

Im Tiro­ler Lan­des­mu­se­um Fer­di­nan­de­um ist nach­zu­le­sen, daß unse­re Kapel­le 1835 mit aus­ge­zeich­ne­ten Leis­tun­gen das Mil­ser Bau­ern­thea­ter musi­ka­lisch umrahm­te. Ansons­ten beschränk­ten sich die Aus­rü­ckun­gen in jener Zeit aus­schließ­lich auf kirch­li­che Anläs­se. Bis zum Jahr 1885 rück­te die Kapel­le 2 mal jähr­lich aus, am Fron­leich­nams­tag und am Peter- und Paulstag.

Von 1885 bis 1912 kamen dann noch die Pro­zes­sio­nen am Chris­ti-Him­mel­fahrts­tag und am Ant­laß­tag dazu.

Ent­lohnt wur­de die Kapel­le von der Gemein­de Mils.

Jähr­li­ches Entgelt:

bis 1883 8 Gul­den jährlich

1883–1905 50 Kro­nen jährlich

1905–1912 100 Kro­nen jährlich

Die Instru­men­tie­rung erfolg­te zur Gän­ze von Wohl­tä­tern, wobei nicht immer die Freu­de an der Blas­mu­sik dazu ani­mier­te; hat doch ein vor­ma­li­ger Wirt des Gast­ho­fes Tief­entha­ler im vori­gen Jahr­hun­dert einen B‑Baß mit der Auf­la­ge spen­diert, daß in und um sein Haus nicht gebla­sen wer­den darf.

Erst­ma­lig uni­for­miert wur­de unse­re Kapel­le 1889. Die Musi­kan­ten tru­gen einen grau­en Rock mit auf­ge­näh­ter Musik­ly­ra am Kra­gen; einen grau­en Hut mit grü­nem Band und Spiel­hahn­fe­der, sowie wei­ßer Hahnenfeder.

1911 wur­de die Uni­form dann geän­dert, Hut und Rock waren braun mit grü­ner Pas­pe­lie­rung, nun tru­gen sie nur noch eine Spiel­hahn­fe­der. Zur glei­chen Zeit wur­de der Regi­ment­stam­bour einge­führt. Kapell­meis­ter Peter Posch beklei­de­te als er­ster die­sen Pos­ten. Den Tam­bour­stab spen­dier­te der Wirt Franz Tief­entha­ler, die Schär­pe die Lorer­wirtin Jose­fa Hauser.

Schnei­der­meis­ter Edu­ard Hot­ter aus Absam näh­te den Rock um 18 Kro­nen; 32 Hüte spen­dier­te die Gemein­de Mils.

Zur 100-Jahr-Fei­er 1912 war die Kapel­le 29 Mann stark. Das gan­ze Dorf fei­er­te am 31. August und 1. Sep­tem­ber die­ses Jubi­lä­um. Die Bür­ger­mu­sik Ab­sam, die Sali­nen­mu­sik Hall und die Musik­ka­pel­le Vol­ders hal­fen das Fest zu ver­schö­nern. Beim Früh­schop­pen im Lor­er­gar­ten spiel­te unse­re Ka­pelle fol­gen­des Programm:

1.  »Radetz­ky-Marsch« von Johann Strauß

2.  »Cavati­na aus der Oper Ern­anie« von Verdi

3.  »Ori­gi­nal-Fan­ta­sie« für Flü­gel­horn von Rosenkranz

4.  »Annen-Pol­ka-Mazur­ka« von Ambrosch

5.  »Echt Wie­ne­risch« Wal­zer von C. M. Ziehrer

6.  »Kon­zert-Pol­ka« für Eupho­ni­um von Baritosch

7.  »Die Wald­an­dacht« Lied von Franz Abt

8.  »Alpen­ro­se-Pol­ka-fran­ce« von Pitschmann

9.  »Schüt­zen­kö­nig-Marsch« von Linhart

1635 Fest­ab­zei­chen wur­den ver­kauft (bei den etwa 700 Ein­woh­nern sicher­lich ein 100%iges Mit­tun), Pfar­rer und Gemein­de spen­dier­ten je 50 Kro­nen, so daß aus dem Fest ein Erlös von 728 Kr. 70 Hel­ler verblieben.

In der Zeit vor dem 1. Welt­krieg began­nen die Akti­vitäten der Musik­ka­pel­le gewal­tig zu stei­gen: 30–35 Pro­ben per Jahr; Kon­zer­te nach den Pro­zessionen und bei der Christ­baum­fei­er, sowie Kir­chen­mu­sik zu Flo­ria­ni und am Kathrein­sonn­tag gehör­ten zu stän­di­gen Ein­rich­tun­gen; eben­so er­klangen bei Beer­di­gun­gen immer wie­der die Trau­ermärsche »Der letz­te Gang« und »Abschiedsklän­ge«.

Am 27. Jän­ner 1914 ließ die Gemein­de das von ihr zur Ver­fü­gung gestell­te Pro­be­lo­kal im »Manghaus« elek­trisch beleuch­ten, was die abend­li­che Pro­ben­ar­beit sehr erleich­ter­te— hat­te sich doch in­zwischen auch bei den Dorf­ka­pel­len ein­ge­bür­gert, nur mehr nach Noten zu musizieren.

Die all­ge­mei­ne Mobi­li­sie­rung am 30. Juli 1914, wel­che alle Män­ner bis zum 43. Lebens­jahr bin­nen 24 Stun­den zu den Waf­fen rief, dezi­mier­te die Kapel­le auf 13 Mann. Zur Instal­lie­rung des neu­en Pfar­rers Niko­laus Mair am 3. 9. 1914 war die Musik gera­de noch spielfähig.

Kapell­meis­ter Peter Posch diri­gier­te am Peter- und Pauls-Tag 1915 ein letz­tes Kon­zert beim Tiefentha­ler, dann unter­brach der 1. Welt­krieg die Tätig­keit bis zum 3. Sep­tem­ber 1918 — wo die Kapel­le den Lei­ter des Taub­stum­men-Insti­tu­tes unter Seba­stian Fan­k­hau­ser zu Gra­be geleitete.

Bei der 1. Heim­keh­rer­fei­er am Kathrein­sonn­tag 1919 diri­gier­te wie­der Peter Posch die Musikka­pelle Mils. Um die­se Zeit wird erst­ma­lig der Besuch der Musik­schu­le in Hall erwähnt. 7 jun­ge Musi­ker besuch­ten auf eige­ne Kos­ten vom Herbst 1919 bis Früh­jahr 1920 die­se Schu­le— die erfor­der­li­chen In­strumente hat Sebas­ti­an Fan­k­hau­ser auf eige­ne Kos­ten repa­rie­ren las­sen. Neu­wah­len am 8. Juli 1920 mach­ten Alo­is Wink­ler zum Kapell­meis­ter und Alo­is Zim­mer­mann zum Kas­sier und Regiments­tambour. Ständ­chen an Namens­ta­gen pro­mi­nen­ter Mil­ser und bei Hoch­zei­ten kamen zu den bereits erwähn­ten Ausrückungen.

Am 20. August 1920 wird erst­ma­lig ein Aus­flug nach Schwaz geschil­dert, wo im Gol­de­nen Adler ein Kon­zert gege­ben wird.

Musikkapelle Mils mit Nationaltracht von 1923
Musik­ka­pel­le Mils mit Natio­nal­tracht von 1923

Am 3. Jän­ner 1923 hat Bür­ger­meis­ter Alo­is Zim­mer­mann im Gemein­de­rat den Antrag ein­ge­bracht, für Schüt­zen und Musik eine ein­heit­li­che Natio­nal­tracht ein­zu­füh­ren. Josef Bach­lech­ner aus Hall fer­tig­te nach einer Mil­ser Tracht aus dem 17. Jahr­hun­dert eine Skiz­ze an, nach die­sem Ent­wurf näh­te eine Schnei­de­rei in Mar­tins­bü­hel 66 Trach­ten. Die Hüte fer­tig­te Poku­pec in Hall an. Das Trach­ten­ko­mi­tee unter dem Obmann Alt­bür­ger­meis­ter Johann Lah­ar­tin­ger brach­te für die­ses Vor­ha­ben 70 Mil­lio­nen Kro­nen auf.

Neben immer häu­fi­ger wer­den­den Aus­rü­ckun­gen nach Inns­bruck und Hall in diver­sen Gast­häu­sern und im Pavil­lon, gab die Kapel­le am 23. August 1925 im Gast­hof Lamm in Matrei am Bren­ner ein anspruchs­vol­les Konzert.

Noch im sel­ben Jahr, am 11. Okto­ber errang die Musik­ka­pel­le Mils unter Kapell­meis­ter Alo­is Wink­ler bei der 1. Lan­des­kon­kur­renz der Blas­ka­pel­len in Inns­bruck mit der »Fest-Ouver­tü­re« von Franz v. Sup­pe den 2. Ehren­preis, dotiert mit S 75,— und einem »schö­nen Diplom«. Ein Jahr spä­ter mit »Dich­ter und Bau­er« vom sel­ben Kom­po­nis­ten wie­der­um einen 2. Platz.

34 Aus­rü­ckun­gen wur­den in die­sem Jahr verzeich­net, die Stär­ke der Kapel­le ist wie­der auf 28 Musi­ker ange­wach­sen. Am 11. Juli 1926 berich­tet die Chro­nik von einem erst­ma­li­gen 2‑Ta­ge-Aus­flug nach Kuf­stein. Die Kon­zer­te dort hat es lei­der verregnet.

Mit der Sali­nen­mu­sik und der Speck­ba­cher-Stadt­­­mu­sik Hall pfleg­ten die Mil­ser Musi­ker von je her engen Kon­takt, immer wie­der sah man Mil­ser in Hall aus­rü­cken und umge­kehrt. So war auch die Auf­war­tung der Mil­ser Schüt­zen und der Musik­ka­pel­le zum 100jährigen Jubi­lä­um der Speck­ba­cher am 3. Juli 1927 ganz beson­ders herzlich.

Musikkapelle Mils, Platzkonzert mit Dirigent Max Bliem 1932
Musik­ka­pel­le Mils, Platz­kon­zert mit Diri­gent Max Bliem 1932

Da sich die Aus­rü­ckun­gen zuse­hends häuf­ten, schlägt Micha­el Strick­ner bei der Voll­ver­samm­lung am 26. 1. 1930 vor, der Aus­schuß möge eine Aus­le­se vor­neh­men, was Obmann Rudolf Rast­bich­ler voll unterstützte.

Neben Fuß-Aus­flü­gen in den Hal­leran­ger, oder mit der Seil­bahn aufs Hafele­kar, ver­an­stal­te­te der rüh­ri­ge Kapell­meis­ter Max Bliem am »Unsin­ni­gen Don­ners­tag“ 1934 einen Rodel­aus­flug zu den Her­ren­häu­sern, wo dem Berg­meis­ter Plank ein Ständ­chen dar­ge­bo­ten wur­de. Die Abfahrt nach einem reich­li­chen Umtrunk bekam den Instru­men­ten gar nicht gut, dar­an war sicher­lich nur der schlech­te Rodel­weg schuld. Dies hat­te dar­über hin­aus noch Spät­fol­gen. Der Eupho­nist Otto Eben­bich­ler, spä-ter Kapell­meis­ter, blieb bei der Instru­men­ten­re­pa­ra­tur zum Leid­we­sen der Kapel­le in Inns­bruck ver­schol­len. Erst eine Abgän­gig­keits­an­zei­ge sei­ner besorg­ten Gat­tin hat­te Erfolg — Gen­dar­me­rie­be­am­te spür­ten den Blä­ser in See­feld bei einem Kon­zert mit­wir­kend auf.

Am 20. Juni 1937 fei­er­te die Kapel­le unter Obmann Karl Stern ihr 125jähriges Bestands­ju­bi­lä­um, wel­ches eines der letz­ten net­ten Dorf­fes­te vor dem unse­li­gen 2. Welt­krieg wur­de. Beim Gar­ten­fest im Gast­hof Tief­entha­ler gab die Kapel­le unter dem Diri­gen­ten Otto Eben­bich­ler fol­gen­de Stü­cke zum Vortrag:

»Ouver­tü­re aus dem Kalif von Bag­dad« von Boiel-dieu

»Öster­rei­chi­sche Lust­spiel-Ouver­tü­re« von Spa­ry »Aida-Fest­marsch« von Gui­sep­pe Verdi

»Der Trou­ba­dour« Fan­ta­sie von Verdi

»Öster­rei­chi­sches Volks­lie­der-Pot­pour­ri- u. a. m.

Musikkappelle Mils, 125-Jahr-Jubiläum 1937
Musik­kap­pel­le Mils, 125-Jahr-Jubi­lä­um 1937

Die nach­fol­gen­de poli­tisch-schwie­ri­ge Zeit ging an der Kapel­le nicht ganz spur­los vor­über. Der kom-mis­sa­ri­sche Lei­ter der Kapel­le konn­te bei der Ge-neral­ver­samm­lung am 19. März 1939 nur noch 17 Mit­glie­der begrü­ßen. Eine Mün­chen­fahrt zum dor-tigen gro­ßen Okto­ber­um­zug bil­de­te den ein­zi­gen gro­ßen Höhe­punkt. Schließ­lich wur­den die Musi-kan­ten vor­zu zu den Waf­fen geru­fen. Bei den Aus-rückun­gen zu den Gau­ap­pel­len und in den Lan-des­schieß­stand war die Kapel­le nur mit »Hal­ler Ver­stär­kun­gen« spiel­fä­hig, bis schließ­lich beim Hel­den­ge­denk­tag im März 1943 die »Hal­ler Musik« (Speck­ba­cher und Sali­nen­mu­sik gemein­sam) in Mils den »guten Kame­ra­den« und das »Lied der Nati­on« spielte.

Im Mai 1945 wird Ober­leh­rer Josef Glatzl von der pro­vi­so­ri­schen Gemein­de­füh­rung beauf­tragt, bis zu den Neu­wah­len die Lei­tung der Musik­ka­pel­le zu über­neh­men. Am Peter- und Pauls-Tag 1945 rück¬ten bei der Pro­zes­si­on und dem anschlie­ßen­den Kon­zert bereits wie­der 19 Musi­ker aus (aller­dings mit Ver­stär­kung von 5 Alt­mil­sern aus Hall, einem Schle­si­er und einem Rheinländer).

Bis zum 31. 12. 1945 sind

11 Musik­ka­me­ra­den heimgekehrt,

5 waren noch gefan­gen oder vermißt

5 sind im Krieg gefallen.

Im Pro­be­lo­kal waren Flücht­lin­ge einquartiert—ent-gegenkommenderweise stell­te der Tiefenthaler¬Wirt das »Jager­st­ü­be­le« für die Pro­ben­ar­beit zur Verfügung.

Im musi­schen Dorf Mils hat­te in der Nach­kriegs­zeit unter der Lei­tung von Ober­leh­rer Glatzl das Volks-schau­spiel Hoch­sai­son. Die Musik­ka­pel­le rück­te bis 1951 jähr­lich 6–14 mal als Thea­ter­mu­sik zur Umrah­mung der Stü­cke aus.

1947 wird wie­der Alt­ka­pell­meis­ter Alo­is Wink­ler an die Spit­ze der Kapel­le gewählt.

Bei der ers­ten gemein­sa­men Christ­baum­fei­er am 1. Jän­ner 1949 zeig­te Sepp Leich­ter mit der Kon­zert-pol­ka »Macht es nach« von Holz­in­ger und dem »Feschen Regi­ment­strom­pe­ter« von Schnei­der im Ver­eins­haus Mils sein bril­lan­tes Kön­nen auf der Trom­pe­te. Als erfah­re­ner Regi­ment­strom­pe­ter wur­de Sepp Leich­ter noch im sel­ben Jahr zum Kapell­meis­ter gewählt, der die Kapel­le zu neu­en Höhe­punk­ten führ­te. Beim Bezirks­mu­sik­fest am 9. Sep­tem­ber 1951 in Hall wur­de die Mil­ser Musik mit den Stü­cken »Nabuc­codo­na­zar«, einer Ouver­tü­re von Ver­di, und dem »Hoch- und Deutsch­meis­ter- Marsch« als bes­te Dorf­ka­pel­le des Bezir­kes bewer­tet. Ab 1950 begann die Kapel­le wie­der etwas zu rei­sen. Nähe­re Rei­se­zie­le wie nach Inns­bruck, Wat­tens, Gna­den­wald usw. wur­den durch­wegs mit dem LKW der Fir­men Föger Fritz, Johann Tie­fen-tha­ler und Han­ny Weiss durch­ge­führt. Eine Aus-nah­me bil­de­te die Fahrt zu einer gelun­ge­nen Ra-dio­auf­nah­me am 4. März 1951 im Land­haus Inns-bruck. Rei­sen nach Meran, Bad Aib­ling, Möl­ten, Mayr­ho­fen, Fulp­mes, Mauls usw. fan­den natür­lich mit Bus­sen statt.

1952 hat sich Max Ange­rer, dama­li­ger Obmann, um das Gelin­gen der 140-Jahr-Fei­er, wel­che am 26. Juli auf dem Dresch­ten­nen­ge­län­de als rich­ti­ges Dorf­fest gefei­ert wur­de, sehr ver­dient gemacht. Unter Kapell­meis­ter Otto Eben­bich­ler sen. und dem 1955 gewähl­ten Obmann Bür­ger­meis­ter Johann Lah­ar­tin­ger, wur­de mit gro­ßen finan­zi­el­len Opfern die Umstim­mung von hoher auf Nor­mal­stim­mung durch­ge­führt. 26 Instru­men­te wur­den neu ange­kauft und 11 Instru­men­te umge­baut. Erst­ma­lig kon­zer­tier­te die Kapel­le in Nor­mal­stim­mung am Tag der Blas­mu­sik am 16. April 1955 im Ver­eins­haus Mils.

Musikkkapelle Mils, 140-Jahr-Jubiläum 1952
Musikk­ka­pel­le Mils, 140-Jahr-Jubi­lä­um 1952
Musikkkapelle Mils in Wasserburg am Inn, Bayern, 1955
Musikk­ka­pel­le Mils in Was­ser­burg am Inn, Bay­ern, 1955

Aus­ge­rech­net dem am 4. Dezem­ber 1955 gewähl­ten jun­gen Kapell­meis­ter Otto Eben­bich­ler fiel es zu, ver­dien­te Musik­ka­me­ra­den zu verabschieden.

Anton Weiss, vul­go »Weiss Tonl«, ein her­vor­ra­gen­der Eupho­nist, der von 1886 bis 1953, also bei­na­he 70 Jah­re bei der Mil­ser Musik aus­rück­te, wur­de am 18.12.1955 beerdigt.

2 Mona­te spä­ter folg­te ihm Rudolf Rast­bich­ler, der lang­jäh­ri­ge Pfarr­mes­ner von Mils, ein ver­dien­ter Funk­tio­när und Musi­ker. Mit­te der Fünf­zi­ger­jah­re setz­te eine umfang­rei­che Rei­se­tä­tig­keit ein. Eini­ge­ma­le gas­tier­te die Kapel­le in Mit­tel­fran­ken in Döckin­gen und Polsingen.

Musikkapelle Mils in Döckingen
Musik­ka­pel­le Mils in Döckingen

Nur der Umsicht des Obman­nes Bür­ger­meis­ter Lah­ar­tin­ger ist es zu dan­ken, daß die Musi­ker immer wie­der geschlos­sen heim­kehr­ten und ihre Her­zen nicht ver­lo­ren haben.

Mün­chen, Süd­ti­rol mit Meran und Vill­nöß, Ita­li­en mit dem Aos­ta­tal und dem Pie­mont waren wei­te­re ein­drucks­vol­le Rei­se­zie­le. Sogar Frank­reich wur­de von den Mil­ser Musi­kern ange­fah­ren, wo in der Cham­pa­gne eine Sekt-Aus­stel­lung musi­ka­lisch umrahmt wur­de, selbst­ver­ständ­lich wur­de dabei die­ses Getränk auch aus­rei­chend verkostet.

Musikkappelle Mils beim Oktoberfestumzug 1961
Musik­kap­pel­le Mils beim Okto­ber­fest­um­zug 1961
Obmann Bgm. Johann Lahartinger mit Bezirkskapellmeister Alois Fintl 1960
Obmann Bgm. Johann Lah­ar­tin­ger mit Bezirks­ka­pell­meis­ter Alo­is Fintl 1960
Alois Leichter, Max Angerer, Karl Strickner 1962
Alo­is Leich­ter, Max Ange­rer, Karl Strick­ner 1962

Im Jubi­lä­ums­jahr 1962 schreibt der lang­jäh­ri­ge Chro­nist und der­zei­ti­ge Regi­ment­stam­bour Pepi Wald­ner in die neue Chro­nik: »Die Kapel­le erlebt mit 40 akti­ven Musi­kern, mit denen jähr­lich 40 bis 50 Pro­ben abge­hal­ten wer­den, eine neue Blü­te­zeit. Lei­der ist trotz wirt­schaft­lich guter Zeit eine Inter­es­se­lo­sig­keit fest­zu­stel­len. Einer­seits wen­det sich die Jugend mehr dem Sport zu und bleibt den Aus­rü­ckun­gen unent­schul­digt fern, ande­rer­seits las­sen die Mit­wir­ken­den an den diver­sen Tanz­ka­pel­len jeg­li­chen Idea­lis­mus für die Blas­mu­sik mis­sen, so daß die Aus­rü­ckun­gen immer wie­der nur mit soge­nann­ten >Aus­hil­fen< bewerk­stel­ligt wer­den können.«

Der heu­ti­ge Obmann Andre­as Kling­ler begann bereits am 3. 12. 1960 sei­ne 1. Kar­rie­re als Musi­kob­mann. Uner­müd­lich setz­te er sich für die Belan­ge der Blas­mu­sik ein. Zur 150-Jahr-Fei­er 1962 wur­den 36 neue Trach­ten­ran­zen ange­schafft; Eli­sa­beth Dengg, Bäue­rin beim »Nar­re­ler«, spen­dier­te das Holz für neue lär­che­ne Noten­stän­der, wel­ches die Musi­ker selbst hackten.

1952 fand die Musik­ka­pel­le im neu erbau­ten Schul­haus im Kel­ler ein Heim. Die wach­sen­de Schul­raum­not mach­te das Drän­gen des Schul­di­rek­tors Amort ver­ständ­lich, die Kapel­le sol­le sich um eine ande­re Blei­be umse­hen. Das Drän­gen des Obman­nes Kling­ler um ein eige­nes Ver­eins­heim fiel 1967 dem dama­li­gen Bür­ger­meis­ter Hans Vogels­ber­ger schließ­lich so auf die Ner­ven, daß der Gemein­de­rat sich spon­tan dazu ent­schloß, einen Kin­der­gar­ten zu bau­en, in dem die Musik­ka­pel­le und Schüt­zen­kom­pa­nie ein Heim fin­den sol­len. Am 24. 4. 1969 wur­de dar­in erst­ma­lig geprobt.Im sel­ben Jahr wur­den noch sämt­li­che Trach­ten­rö­cke erneu­ert. Aber noch ein­mal zurück zum Jubi­lä­ums­jahr 1962, in dem es Obmann Kling­ler glän­zend ver­stand, auf dem Dresch­ten­nen­platz am 18. und 19. August mit einem Fest­kon­zert der Ret­ten­ber­ger aus Wat­tens ein rich­ti­ges Dorf­fest zu arran-gieren.

War die Blas­mu­sik zu jener Zeit in allen Regis­tern gut besetzt, am Diri­gen­ten­pult fand ein ver­hält­nis­mä­ßig häu­fi­ger Wech­sel statt.

Am 7. 12. 1963 über­nahm der ehe­ma­li­ge Kapell­meis­ter der Sen­se­ler aus Vol­ders, Vin­zenz Mair, die Stab­füh­rung. Dis­zi­plin zu hal­ten hat er sich auf die Fah­nen geschrie­ben und dar­in viel Auf­bau­ar­beit geleistet.

Nach kur­zem »Inter­mez­zo« von Kapell­meis­ter Otto Eben­bich­ler jun. lei­te­te der heu­ti­ge Kapell­meis­ter Hein­rich Hasel­wan­ter 7 Jah­re lang die Kapel­le. Heu­te kann er ins­ge­samt auf über 10 Jah­re Auf­bau­ar­beit als Kapell­meis­ter und viel, viel län­ger als Musik­leh­rer im Diens­te der Blas­mu­sik zurück­bli­cken. Ziem­lich eini­ge erfolg­rei­che Teil­nah­men an Wer­tungs­spie­len zie­ren sei­ne Laufbahn.

Für 3 Jah­re über­nahm Dir. Otto Eben­bich­ler am 9. 12. 1972 noch ein­mal den Diri­gen­ten­stab. Eine gro­ße Rei­se nach Köln und Lipp­stadt 1973, sowie ein gemein­sa­mer Auf­tritt mit den berühm­ten Fischer­chö­ren in der Beet­ho­ven­hal­le in Stutt­gart im Jah­re 1974 bil­de­ten Höhepunkte.

Am 7. 12. 1975 wur­de dann der jun­ge Musik­stu­dent, ers­ter Flü­gel­hor­nist in der Kapel­le, Franzl Hop­pich­ler jun., für 3 Jah­re zum Kapell­meis­ter gewählt. Er ver­stand es beson­ders, die Jugend anzu­spre­chen. Vie­le hat er selbst eini­ge Zeit aus­ge­bil­det. Die Errin­gung des Jung­mu­si­ker-Leis­tungs­ab­zei­chens wur­de für den Ein­tritt in die Kapel­le fast obli­ga­to­risch vor­aus­ge­setzt. Aber nicht nur die Jung­mu­si­ker, auch das Publi­kum ver­stand der rou­ti­nier­te Tanz­mu­si­ker rich­tig in Begeis­te­rung zu versetzen.

Bei Auf­trit­ten im Bur­gen­land und in Wien brach­te das Musi­zie­ren der Mil­ser die Zuhö­rer förm­lich auf die Tische. Zur Pfle­ge der Kame­rad­schaft unte­r­ein-ander wur­den in die­ser Zeit die regel­mä­ßi­ge Teil­nah­me an sport­li­chen Bewer­ben, wie Schi­fah­ren, Fuß­ball und Viel­sei­tig­keits­prü­fung beim soge¬nannten »Pfingst­tur­nier« ein­ge­führt, wobei die Musi­ker stets ihre sport­li­chen Leis­tun­gen unter Beweis stellen.

Am 24. 2. 1972 über­nahm der der­zei­ti­ge Chro­nist Wal­ter Köl­li für 9 Jah­re die Obmann­stel­le. Die An-schaf­fung von ein­heit­li­chen Trach­ten­schu­hen und eines Saxo­phon­sat­zes, der aller­dings kaum ein­mal zum Ein­satz kam, fiel in sei­ne Funktionsperiode.

Alles in allem fällt dem Leser der bei­den umfang­rei­chen Chronik­bän­de eine kon­ti­nu­ier­li­che Auf­wärts­ent­wick­lung im Mil­ser Blas­mu­sik­le­ben auf. Einen Stand von 48 akti­ven Musi­kern plus 1 Trom­mel­bu­ben und 2 Mar­ke­ten­de­rin­nen konn­te die Kapel­le noch nie ver­zeich­nen. Die Auf­ga­ben waren noch nie so umfang­reich wie heu­te— 90 bis 96 Akti­vi­tä­ten pro Jahr (inkl. ca. 40 Pro­ben) sind ein »nor­ma­les« Musikerjahr.

Möge die­se Begeis­te­rung noch lan­ge, lan­ge anhalten.

Dies wünscht der ehe­ma­li­ge Obmann und nun­meh­ri­ge Chro­nist dem wie­der­ge­wähl­ten Obmann Andre­as Kling­ler sen., dem Kapell­meis­ter Hein­rich Hasel­wan­ter sowie allen Musik­ka­me­ra­den der Bun­des­mu­sik­ka­pel­le Mils

Ver­fas­ser: Wal­ter Köl­li, Chronist

Gemeinsamer Auftritt mit den "Fischerchören" in der Beethovenhalle in Stuttgart 1974
Gemein­sa­mer Auf­tritt mit den „Fischer­chö­ren“ in der Beet­ho­ven­hal­le in Stutt­gart 1974
Alois Wechselberger und Sebastian Klingler, 1969
Alo­is Wech­sel­ber­ger und Sebas­ti­an Kling­ler, 1969

v.l.: Luis Wech­sel­ber­ger, Wastl Klingler

Tournee in Lippstadt vor dem Kölner Dom, 1973
Tour­nee in Lipp­stadt vor dem Köl­ner Dom, 1973
Leichter Rosa und Alois
Leich­ter Rosa und Alois
Musikerfamilie des Obmannes Andreas Klingler
Musi­ker­fa­mi­lie des Obman­nes Andre­as Klingler

Quel­le: Bro­schü­re der Musik­ka­pel­le 170 Jahre

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