Schulzeit ‑Erinnerungen: Elizabeth Euler

Mei­ne Volks­schul­zeit

An mei­ne Volks­schul­zeit den­ke ich immer mit einer gewis­sen Ver­klärt­heit. Mein ers­ter Schul­tag begann nicht im Volks­schul­haus son­dern im Gemein­de­haus im ers­ten Stock. Dort war die la unter­ge­bracht – 25 Schü­ler die dar­auf beses­sen waren sich der neu­en Erfah­rung Volks­schu­le zu stel­len. Unser Klas­sen­vor­stand war Jose­phi­ne Höck­ner. Sie war es, die uns wäh­rend der nächs­ten 4 Jah­re schrei­ben und lesen lern­te und uns die ers­ten Grund­be­grif­fe von Mathe­ma­tik und Deutsch ein­präg­te – nicht zu ver­ges­sen den Sach­un­ter­richt, der sich mit der Dorf- und Lan­des­ge­schich­te befass­te. Sin­gen und Tur­nen waren nicht so mei­ne Stär­ken, aber ich kann mich dar­an erin­nern, dass wir die ver­schie­dens­ten Cho­ral­lie­der gesun­gen haben.

In Hand­ar­beit und Wer­ken unter­rich­te­te uns Frau VL Mar­tha Wörnd­le, die wäh­rend wir eif­rig dabei waren irgend­wel­che unbe­greif­li­chen Hand­ar­beit­stü­cke zu pro­du­zie­ren, uns manch­mal etwas vor­las. Für mich war es natür­lich von Vor­teil, dass mei­ne Oma und mei­ne Groß­tan­te sehr gut Hand­ar­bei­ten konn­ten und sie mir bei man­chen Stü­cken hal­fen, wenn sie bis zur nächs­ten Stun­de fer­tig sein muss­ten. Ich glau­be mich erin­nern zu kön­nen, dass wir ein­mal sogar einen Ted­dy­bä­ren oder irgend­was in die­ser Art fabri­zier­ten. Als wir ins Schul­haus über­sie­del­ten, beka­men wir eine Eng­lisch­leh­re­rin – Frau VL Lip­pert. Am Ende des Jah­res konn­te jeder von uns „My name is and I am … years old“ sagen und sogar bis 10 zäh­len. Um aber eini­ger­ma­ßen rich­tig Eng­lisch zu spre­chen, war eine lis­peln­de Spra­che not­wen­dig. Ich besuch­te damals eine Logo­pä­din, damit sie mir gera­de die­se Sprech­wei­se abge­wöhn­te – irgend­wie unlo­gisch.

Spe­zi­ell erin­ne­re ich mich an die Reli­gi­ons­stun­den, die der dama­li­ge Mil­ser Pfar­rer Wil­le abhielt. Er trug ein Hör­ge­rät, das er, wenn er in unse­re Klas­se kam, wohl­weis­lich immer abge­schal­tet hat­te, und so mil­de über eini­ge Strei­che der „jun­gen lau­ten Wil­den“ ­die bestimmt auch nie zur Beich­te gelang­ten – hin­weg­blick­te. Wobei das ver­ste­cken der Krei­de und die Tafel mit irgend­wel­chen Krit­ze­lei­en zu bema­len eher zu den harm­lo­sen Strei­chen gehör­te. Stuhl­rei­ten und Blöd­sinn­ma­chen hin­ge­gen schon schlim­mer waren und manch­mal sogar mit Nach­sit­zen belohnt wur­den.

Beson­ders gut erin­ne­re ich mich auch an die Wan­der­ta­ge, die nach Schloss Tratz­berg, über den Zir­ben­weg zum Pat­scher­ko­fel oder bis zu Peter Anich’s Geburts­haus führ­ten, an denen auch die Eltern mit­mar­schie­ren konn­ten. Das war natür­lich prak­tisch, weil die Ruck­sä­cke meist von den Müt­tern getra­gen wur­den. Die­se Tage waren für uns Volks­schü­ler am schöns­ten, weil wir nicht in der Klas­se still­sit­zen muss­ten und die Welt außer­halb erle­ben durf­ten.

Rück­bli­ckend betrach­tet, gehör­te mei­ne Genera­ti­on noch zu den letz­ten Volks­schü­lern, die eine „ruhi­ge“ Volks­schul­zeit ohne Han­dy, Com­pu­ter oder sons­ti­gen modi­schen Tand genie­ßen konn­te, wenn es auch in der Klas­se oft nicht so ruhig zuging, wie sich das so man­cher Leh­rer wünsch­te. Im Nach­hin­ein bewun­de­re ich unse­re Volks­schul­leh­re­rin Jose­phi­ne Höck­ner, die mit viel Geduld, Ver­ständ­nis und Lie­be zu ihrem Beruf mei­ne Klas­se zu lei­ten ver­stand. Dan­ke!

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