Neue Volksschule: Einzug 2009

CHRONIK

von Josef Wald­ner, Chro­nist

 

Über die Anfän­ge des Schul­un­ter­richts in Mils feh­len genaue Auf­zeich­nun­gen, doch dürf­te die Ent­wick­lung ähn­lich ver­lau­fen sein, wie in ande­ren länd­li­chen Gegen­den der Mon­ar­chie. Die ers­ten Schu­len waren Latein­schu­len, die ab dem 16. Jahr­hun­dert zuse­hends von Schu­len mit deut­scher Spra­che ver­drängt wur­den.

Erz­her­zog Fer­di­nand erließ 1586 für Tirol eine „Inst­ruc­tion und Ord­nung“, die Schul­vi­si­ta­tio­nen vor­sah und den Schul­meis­tern und Kin­dern Ver­hal­tens­vor­schrif­ten anord­ne­te (unar­ti­ge Kin­der soll­ten mit Ruten bestraft wer­den, und zwar die Mäd­chen getrennt von den Kna­ben, und auf ande­re Züch­ti­gungs­mit­tel soll­te ver­zich­tet wer­den).

In der Mil­ser Schul­chro­nik wird als ers­ter Beleg eines gere­gel­ten Unter­richts ein Visi­ta­ti­ons­pro­to­koll von 1602 erwähnt, das berich­tet, dass der Bene­fi­zi­at Ber­nar­din Rubens eini­ge Kna­ben im Deut­schen, in der Reli­gi­ons­leh­re und im Latei­ni­schen unter­rich­te­te.

Die „All­ge­mei­ne Schul­ord­nung für deut­sche Nor­mal-Haupt- und Tri­vi­al­schu­len“ (von tri­vi­al= ein­fach: Schrei­ben, Lesen, Rech­nen) von 1774 führ­te die Schul­pflicht ein, und zwar für alle Kin­der vom 6. bis zum 12. Lebens­jahr, gleich wel­chen Stan­des. Die Kin­der hat­ten täg­lich 5 Stun­den Unter­richt (8−10, 12- 15 Uhr), aller­dings war das Unter­richts­jahr kür­zer als heu­te („Win­ter­schu­le“ von Mar­ti­ni bis Geor­gi, ca. von Anfang Novem­ber bis Ende April). Dazu kam die Wie­der­ho­lungs­schu­le (Sonn- oder Fei­er­tags­schu­le) für älte­re Schü­ler. Die Schul­auf­sicht blieb lan­ge eine Domä­ne der Kir­che (bis 1869 –„Reichs­volks­schul­ge­setz“), der Orts­schul­rat hat­te neben dem Lern­fort­schritt der Schü­ler auch das sitt­li­che Ver­hal­ten der Lehr­per­so­nen zu über­wa­chen.

Die Lehr­per­so­nen wur­den sehr schlecht bezahlt, trotz­dem wur­de ihnen ein Neben­er­werb ver­bo­ten. Nur der Dienst eines Mes­ners oder Orga­nis­ten war erlaubt. So erwähnt die Pfarr­chro­nik 1778 einen Schul­hal­ter und Orga­nis­ten Josef Haag, der sich in Mils auch als Chir­urg betä­tig­te und daher ent­las­sen wur­de. Die nach­fol­gen­den Leh­rer und Orga­nis­ten waren aber dann Atta­cken der Mil­ser Bevöl­ke­rung aus­ge­setzt – einer muss­te die Flucht aus der Kir­che ergrei­fen, sei­nem Nach­fol­ger warf man Stei­ne und Kitz­fü­ße auf die Orgel. Die Ver­bin­dung Leh­rer-Orga­nist gab es lan­ge, als letz­ter hat­te Paul Amort bei­de Ämter inne (pen­sio­niert 1975).

Der ers­te Leh­rer, der für einen län­ge­ren Zeit­raum die Schu­le in Mils präg­te, war der in Mils gebo­re­ne Karl Weinold, der 42 Jah­re in Mils unter­rich­te­te (pens. 1833). Er muss­te noch mit 68 Jah­ren vor der Klas­se ste­hen, sein Sohn unter­stütz­te ihn als Gehil­fe (ohne Bezahlung).Dieser wur­de dann ‑wie damals sehr häu­fig – sein Nach­fol­ger, muss­te aber bei Dienst­an­tritt nach­wei­sen, kei­ner gehei­men Orga­ni­sa­ti­on anzu­ge­hö­ren. Wei­te­re Schul­lei­ter mit sehr lan­gen Dienst­zei­ten waren: Cöles­tin Wink­ler (1888−1923), Josef Glatzl (1924−1950), Paul Amort (1950−1975).

Als ein­zi­ges Klas­sen­zim­mer dien­te bis 1882 ein Raum im Widum, in der Fol­ge ein Zim­mer im Mes­ner­haus. Im Schul­jahr 1911/12 wur­den erst­mals zwei Klas­sen geführt, eine im Widum (ab 1912 von Schwes­ter Genero­sa Gleir­scher), eine im Mes­ner­haus (C. Wink­ler).

Auch die Tech­nik hielt in der Schu­le Ein­zug: 1924 wur­de in den Klas­sen das elek­tri­sche Licht ein­ge­rich­tet, 1928 wur­den den Schü­lern in Mils erst­mals Licht­bil­der vor­ge­führt.

Die auto­ri­tä­re Strö­mung der 1930er Jah­re mach­te auch vor der Schu­le nicht Halt. 1935 wur­de der Unter­richt­ge­gen­stand „vor­mi­li­tä­ri­sche Jugend­er­zie­hung“ ein­ge­führt. Grö­ße­re Neue­run­gen brach­te die Macht­über­nah­me durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten im März 1938. Die Zahl der Turn­stun­den wur­de erhöht, die Reli­gi­ons­stun­den ver­min­dert und die kirch­li­chen Ver­an­stal­tun­gen muss­ten außer­halb des Schul­be­trie­bes statt­fin­den. Schwes­ter Genero­sa (obwohl 1937 noch offi­zi­ell geehrt) wur­de ent­las­sen, die Kin­der muss­ten Pflicht­auf­sät­ze mit dem Titel „Ich freue mich, ein Deut­scher zu sein“ dem Bezirks­schul­rat ablie­fern. Mit Kriegs­be­ginn erhiel­ten die Kin­der eine neue Auf­ga­be: „Kar­tof­fel­kä­fer­ab­wehr­dient“.

Mit Fort­dau­er des Krie­ges wur­de die Unter­richts­er­tei­lung immer schwe­rer. Bei Bom­ben­alarm muss­te die Flucht ergrif­fen wer­den. Gab es Alarm in der Nacht, fiel am fol­gen­den Tag die Schu­le aus.

Nur lang­sam lin­der­te sich die Not nach dem 2. Welt­krieg (noch 1948 orga­ni­sier­te die UNICEF eine Schul­kin­der­aus­spei­sung in Mils, ein Dan­kes­brief an die Köchin­nen des Taub­stum­men­in­sti­tu­tes berich­tet im Herbst von einer Gewichts­zu­nah­me der Kin­der um ca. 3 kg). Durch das Anstei­gen der Schü­ler­zahl wur­den die Klas­sen­räu­me zu einem Pro­blem. Eine 3. Klas­se wur­de im Thea­ter­saal (spä­ter im Kel­ler) des Ver­eins­hau­ses unter­ge­bracht.

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So ent­schloss sich der Gemein­de­rat schließ­lich doch, eine neue Schu­le zu bau­en, die 1953 unter gro­ßer Betei­li­gung der Bevöl­ke­rung eröff­net wur­de.

 

Die Bau­kos­ten belie­fen sich auf 1 031 794,75 Schil­ling, ca. 450 000 sub­ven­tio­nier­te die Lan­des­re­gie­rung, eben­so viel brach­te der Ver­kauf der „Hei­de“, so dass nur eine rel. gerin­ge Kre­dit­sum­me übrig blieb.

Aber auch die­ses Schul­haus konn­te den Raum­be­darf auf Grund des star­ken Zuzugs in den 1970er Jah­ren nicht mehr decken. Die Raum­not wur­de zunächst durch einen Zubau zum Gemein­de­haus besei­tigt (1974). Als auch der Platz­be­darf der Gemein­de­ver­wal­tung anstieg, wur­den im 1. Stock der 1978 eröff­ne­ten Turn­hal­le Klas­sen errich­tet (1985). Als dann wie­der eine Klas­se ins Gemein­de­haus ver­legt wur­de und das alte Schul­haus in eini­gen Berei­chen den Anfor­de­run­gen eines moder­nen Unter­richts nicht mehr ent­spre­chen konn­te, ent­schloss sich der Gemein­de­rat zu einem Neu­bau der Volks­schu­le, die im Feber 2009 bezo­gen wur­de. Möge die­se Schu­le ein Zen­trum des Ler­nens und des Wohl­füh­lens wer­den!

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